ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2012Vertretungsregelungen: Einer für alle?

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Vertretungsregelungen: Einer für alle?

Dtsch Arztebl 2012; 109(49): A-2487 / B-2039 / C-1995

Haffke, Detlef

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Für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung durch eine gegenseitige Vertretung gibt es Regeln. Vertragsärzte sollten sie einhalten – auch im Interesse des kollegialen Miteinanders.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat ihre Mitglieder vor kurzem darauf aufmerksam gemacht, dass Vertretungen aufgrund von Urlaubszeiten klar unter den Vertragsärzten einer Region zu regeln sind. Es reicht beispielsweise nicht aus, auf dem Telefonanrufbeantworter einen Vertreter zu nennen, ohne diese Vertretung vorher mit diesem abgesprochen zu haben.

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Anlass dazu, an diese und andere Regeln zu erinnern, sind die kommenden Weihnachtsfeiertage und die sich anschließenden Brückentage zum neuen Jahr. 2011 hat es zum Jahreswechsel offenbar vielerorts unzureichende Absprachen der Ärzte über die Urlaubszeiten gegeben. Hieraus resultierten zum Teil erhebliche Sicherstellungsprobleme besonders in ländlichen Bereichen. In einem Fall musste ein Hausarzt die Patientenversorgung für fünf Kollegen übernehmen, die ihn alle als Vertreter benannt, dies aber nicht mit ihm abgesprochen hatten. Neben der offensichtlichen Sicherstellungsproblematik führt ein solches Verhalten schnell zu wachsendem Unmut der niedergelassenen Ärzte untereinander.

Vertretungsgründe: begrenzt

Zur Erinnerung: Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) können Mitglieder, die ihre vertragsärztlichen Pflichten nicht oder nicht ordnungsgemäß erfüllen, mit Disziplinarmaßnahmen belegen. Zu den Regeln zählt, dass der Vertragsarzt grundsätzlich verpflichtet ist, seine vertragsärztliche Tätigkeit persönlich auszuüben. Eine Vertretung ist nur zulässig bei Krankheit, Urlaub, Teilnahme an einer ärztlichen Fortbildung oder Wehrübung und in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit einer Entbindung. Aus anderen Gründen ist eine Vertretung nicht erlaubt. So darf beispielsweise ein Vertreter nicht eingesetzt werden, wenn der Arzt Hausbesuche macht oder einer anderen ärztlichen Tätigkeit nachgeht, etwa als Betriebsarzt.

Für Vertretungsfristen gilt:

  • Dauert eine Vertretung länger als eine Woche bis maximal drei Monate, muss sie der KV mitgeteilt werden. Der Name des Vertreters ist anzugeben. Einige KVen haben für diese Meldung spezielle Formulare entwickelt. Die Pflicht zur Mitteilung besteht unabhängig davon, ob ein anderer Vertragsarzt die Vertretung übernimmt oder ein Vertreter in der Praxis tätig wird.
  • Ist eine Vertretung von bis zu einer Woche geplant, muss sie der KV nicht mitgeteilt, wohl aber organisiert werden. Weil es damit gerade zum Jahreswechsel in den letzten Jahren Probleme gab, sind einige KVen mittlerweile dazu übergegangen, den Bereitschaftsdienst in dieser Zeit auszudehnen. So stellen sie sicher, dass Kranke ambulant versorgt werden.
  • Eine Vertretung bei Krankheit, Urlaub und Teilnahme an einer ärztlichen Fortbildung oder Wehrübung ist innerhalb von zwölf Monaten für die Dauer von bis zu drei Monaten problemlos ohne Genehmigung möglich. Mehrere Vertretungszeiten innerhalb des Jahres werden addiert.
  • Im Zusammenhang mit einer Entbindung kann sich eine Vertragsärztin sogar bis zu sechs Monate vertreten lassen.
  • Wenn eine Vertretung über drei Monate hinaus erfolgen soll, muss diese vorher unter Angabe der Gründe bei der Kassenärztlichen Vereinigung beantragt und von dieser genehmigt werden. Fehlt eine Genehmigung, besteht die Gefahr, dass Leistungen des Vertreters vom vierten Monat an von der KV nicht mehr vergütet werden.

Auf die Qualifikation achten

Ein Vertragsarzt darf sich grundsätzlich nur von einem Arzt mit abgeschlossener Weiterbildung in demselben Fachgebiet vertreten lassen. Die Eintragung im Arztregister ist jedoch nicht erforderlich. „Grundsätzlich“ bedeutet, dass Ausnahmen möglich sind. Ist der Vertreter beispielsweise im letzten Abschnitt seiner Weiterbildung, kann man sich vorher bei der KV erkundigen, ob er ausnahmsweise vertreten darf. Eine Zustimmung sollte sich der Arzt schriftlich bestätigen lassen.

Zu beachten ist ferner, dass ein Vertreter nur Leistungen erbringen und abrechnen darf, für die der Praxisinhaber qualifiziert ist. Handelt es sich um eine Leistung, für die eine besondere Genehmigung erforderlich ist, wie Sonographie oder eine psychosomatische Leistung, muss auch der Vertreter die Qualifikation besitzen. Dies kann sich ein Praxisinhaber durch Vorlage einer KV-Bescheinigung bestätigen lassen.

Im Übrigen haftet der Praxisinhaber auch für die Erfüllung der vertragsärztlichen Pflichten durch den Vertreter, also auch für unwirtschaftliche Behandlungen und/oder Verordnungen des Vertreters.

Detlef Haffke, Kassenärztliche Vereinigung
Niedersachsen, Hannover

Foto: Fotolia/Kontrastwerkstatt, [m]

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