ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2012Antibiotikatherapie der Tuberkulose: Linezolid bei hochresistenten Erregern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Antibiotikatherapie der Tuberkulose: Linezolid bei hochresistenten Erregern

Dtsch Arztebl 2012; 109(49): A-2467 / B-2020 / C-1976

Heinzl, Susanne

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Bei der XDR-Tuberkulose (Extensively drug resistant) ist M. tuberculosis gegen alle Standardmedikamente und mindestens zwei Zweitliniensubstanzen resistent. Für das Oxazolidinon Linezolid sind nun Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einer prospektiven Studie publiziert worden.

In die südkoreanische Phase-IIa-Studie wurden 41 Patienten aufgenommen, die an einer sputumpositiven XDR-Tuberkulose litten und seit mindestens 6 Monaten auf keine verfügbare Therapie angesprochen hatten. Zusätzlich zur bisherigen Behandlung erhielten sie Linezolid (600 mg/Tag). Weil ein Placebovergleich ethisch nicht möglich war, wurde die Therapie bei einer Hälfte sofort (n = 21) und bei der anderen Hälfte um 2 Monate verzögert (n = 20) begonnen. Nach Sputumkonversion oder nach spätestens 4 Monaten wurde erneut randomisiert: Eine Gruppe erhielt 600 mg Linezolid/Tag, die zweite 300 mg Linezolid/Tag, jeweils für mindestens weitere 18 Monate.

Nach 4 Monaten war bei 15 von 19 Patienten (79 %) mit sofortigem Therapiebeginn und 7 von 20 Patienten (35 %) mit verzögertem Therapiebeginn das Sputum negativ für den Erreger. Nach im Median 75 Tagen nach Therapiebeginn hatten 34 von 38 Patienten (89 %) eine negative Sputumkultur.

Bei 33 Patienten (87 %) traten klinisch signifikante Nebenwirkungen auf, bei 82 % waren sie möglicherweise Linezolid-assoziiert. Häufigste schwere unerwünschte Wirkungen waren Myelosuppression mit Anämie und Neutropenie, optische Neuropathie sowie periphere Neuropathie. 3 Patienten brachen die Therapie wegen Nebenwirkungen (optische Neuropathie, Anämie) ab. Bei Patienten unter 300 mg Linezolid/Tag nach der zweiten Randomisierung traten weniger Nebenwirkungen auf als unter 600 mg/Tag. Eine Resistenz gegen Linezolid wurde bei 4 von 38 Patienten (11 %) beobachtet.

Konversion der Sputumkulturen, nachgewiesen durch Anzüchten der Bakterien auf Selektivagar (Kaplan-Meier-Kurven für die Zeit nach Randomisierung)
Konversion der Sputumkulturen, nachgewiesen durch Anzüchten der Bakterien auf Selektivagar (Kaplan-Meier-Kurven für die Zeit nach Randomisierung)
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Konversion der Sputumkulturen, nachgewiesen durch Anzüchten der Bakterien auf Selektivagar (Kaplan-Meier-Kurven für die Zeit nach Randomisierung)

Fazit: Das Oxazolidinon Linezolid führt bei einem großen Teil von Patienten mit XDR-Tuberkulose zu negativen Sputumkulturen, vor allem bei frühem Therapiebeginn. Wegen der unerwünschten Wirkungen des Antibiotikums sind die Patienten jedoch sorgfältig zu überwachen. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Lee M, et al.: Linezolid for treatment of chronic extensively drug-resistant tuberculosis. NEJM 2012; 367: 1508–8. MEDLINE

Konversion der Sputumkulturen, nachgewiesen durch Anzüchten der Bakterien auf Selektivagar (Kaplan-Meier-Kurven für die Zeit nach Randomisierung)
Konversion der Sputumkulturen, nachgewiesen durch Anzüchten der Bakterien auf Selektivagar (Kaplan-Meier-Kurven für die Zeit nach Randomisierung)
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Konversion der Sputumkulturen, nachgewiesen durch Anzüchten der Bakterien auf Selektivagar (Kaplan-Meier-Kurven für die Zeit nach Randomisierung)

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