ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2012Lymphomrezidivtherapie mit Antikörperkonjugat: Hohe Ansprechraten

PHARMA

Lymphomrezidivtherapie mit Antikörperkonjugat: Hohe Ansprechraten

Dtsch Arztebl 2012; 109(49): A-2480

Siegmund-Schultze, Nicola

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Durch Brentuximab Vedotin wird ein Zytostatikum vor allem in den malignen Zielzellen freigesetzt. Die neue Substanz hat ein relativ gutes Sicherheitsprofil.

Die Inzidenz der Hodgkin-Lymphome hat einen Peak im jungen Erwachsenenalter. Bei 15 bis 30 Prozent der Patienten lässt sich keine anhaltende Remission erzielen. „Eine Induktionstherapie, gefolgt von Hochdosischemotherapie und autologer Stammzelltransplantation, ist Behandlungsstandard im ersten Rezidiv“, sagte Prof. Dr. med. Peter Borchmann von der Universitätsklinik Köln bei einem Satellitensymposium von Takeda-Pharma. „Noch immer sterben 30 bis 40 Prozent der rezidivierten Hodgkin-Lymphom-Patienten an dem Malignom.“ Es sei nicht sinnvoll, die Chemotherapie weiter zu intensivieren. „Für Patienten im Rezidiv gibt es Verbesserungsbedarf.“

Die bislang höchsten Ansprechraten unter Medikamenten, denen innovative Therapieansätze zugrunde liegen, seien mit dem Antikörper-Zytostatikum-Konjugat Brentuximab Vedotin erzielt worden. Es bindet an CD30, das vor allem auf Hodgkin- und Sternberg-Reed-Zellen exprimiert wird, aber auch auf anaplastischen großzelligen Lymphomen (ALCL). Die normale Expression von CD30 ist auf kleine Populationen eosinophiler und aktivierter B- und T-Zellen beschränkt. Der monoklonale Antikörper ist über ein proteaseempfindliches Verbindungsmolekül an den Tubulininhibitor Monomethyl-Auristatin gekoppelt. Dieser wird erst in der Zelle freigesetzt, hemmt dort die Mitose und induziert Apoptose.

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Die Daten einer Phase-II-Studie mit 102 Patienten, die ein rezidiviertes oder therapierefraktäres Hodgkin-Lymphom hatten, sind nach den Worten von Borchmann vielversprechend. Die Patienten waren im Durchschnitt 31 Jahre alt und wurden nach ein oder zwei autologen Stammzelltransplantationen (89 und elf Prozent) mit 1,8 mg Brentuximab Vedotin/kg intravenös alle drei Wochen therapiert (JCO 2012; 30: 2183–9). Die Gesamtansprechrate betrug 75 Prozent, inklusive 34 Prozent komplette Remissionen. Bei 22 Prozent stabilisierte sich die Erkrankung, nur drei Prozent progredierten. Die durchschnittliche Dauer des Gesamtansprechens betrug 6,7 Monate, bei kompletter Remission 20,5 Monate. Das durchschnittliche Gesamtüberleben (OS) lag bei 22,4 Monaten (geschätzte durchschnittliche OS-Rate für ein Jahr: 89 Prozent). Unerwünschte Effekte (mindestens Grad III) traten bei etwa jedem zweiten Patienten auf, vor allem Neutropenie (20 Prozent), waren aber gut zu kontrollieren, wie Borchmann berichtete.

Europaweite Zulassung

Das Medikament hat vor kurzem die europaweite Zulassung erhalten für die Therapie bei CD30+ rezidiviertem oder refraktärem Hodgkin-Lymphom nach autologer Stammzelltransplantation oder mindestens zwei Kombinationschemotherapien, wenn eine Stammzelltransplantation kontraindiziert oder eine Mehrfachwirkstoff-Chemotherapie nicht infrage kommt. Die positive Nutzen-Risiko-Relation solle zu einem späteren Zeitpunkt durch weitere klinische Daten bestätigt werden, lautet eine Auflage der Zulassung.

Sie gilt auch für die zweite Indikation, für die die Zulassung erteilt wurde: das rezidivierte oder therapierefraktäre ALCL. Patienten erhalten im Allgemeinen eine CHOP-basierte Chemotherapie, wobei etwa ein Drittel einen primär therapierefraktären Verlauf mit einem Fünfjahresüberleben von nur 30 Prozent habe, erklärte Prof. Dr. med. Georg Hopfinger von der Universitätsklinik Salzburg.

In eine Phase-II-Studie wurden 58 Patienten mit rezidivierter oder refraktärer Erkrankung eingeschlossen (JCO 2012; 30: 2190–6). 72 Prozent von ihnen waren ALK(anaplastic lymphoma kinase)-negativ und hatten eine eher ungünstige Prognose (40 bis 50 Prozent Langzeitüberleben). Bei ALK-positivem Status ist die Prognose günstiger (Langzeitüberleben circa 70 Prozent). Das Gesamtansprechen sei mit 86 Prozent „sehr ermutigend“, sagte Hopfinger. 57 Prozent der Patienten kamen in komplette Remission: 52 Prozent der ALK und 69 Prozent der ALK+. Das progressionsfreie Überleben verbesserte sich auf durchschnittlich 14,3 Monate unter Brentuximab im Vergleich zu 5,9 Monaten der letzten Vortherapie. Das Antikörperkonjugat werde derzeit in einer Reihe von Studien in Kombination mit Chemotherapie geprüft und sei vor und nach der Stammzelltransplantation anwendbar.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

„Brentuximab Vedotin – Eine neue zielgerichtete Therapieoption bei Hodgkin-Lymphom und aggressiven T-Zell-Lymphomen“. Symposium Takeda-Pharma bei der Jahrestagung der deutschsprachigen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Stuttgart

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