ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2012Künstliche Hornhaut: Fortschritte bei Keratoprothesen

TECHNIK

Künstliche Hornhaut: Fortschritte bei Keratoprothesen

Dtsch Arztebl 2012; 109(49): A-2479 / B-2032 / C-1988

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Künstliche Linse für vielerlei Krankheitsbilder. Foto: Fraunhofer-IAP
Künstliche Linse für vielerlei Krankheitsbilder. Foto: Fraunhofer-IAP

Erkrankungen der Augenhornhaut führen oftmals zur Erblindung. Die Standardtherapie ist die Transplantation der Cornea, doch diese ist in einigen Fällen nicht möglich. Hinzu kommt, dass Spenderhornhäute fehlen. Allein in Deutschland warten 7 000 Menschen auf dieses rettende Gewebe. Vor diesem Hintergrund entwickeln Dr. Joachim Storsberg und sein Team vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam zusammen mit dem Aachener Zentrum für Technologietransfer ACTO e.V. künstliche Hornhäute (www.iap.fraunhofer.de). Partner im Projekt „ARTCORNEA“ sind außerdem die Universität Halle-Wittenberg, der ACTO e.V. und die Augenklinik Köln-Merheim.

Die Forscher arbeiten an zwei Arten künstlicher Hornhäute. „Eine davon können wir als einfachen Transplantatersatz den Patienten einsetzen, die eine Spenderhornhaut gut vertragen, aber wegen des großen Mangels keine erhalten“, erläutert Storsberg, Projektleiter am IAP. Der Wissenschaftler hatte zuvor bereits in einem Kooperationsprojekt eine künstliche Hornhaut hergestellt, die sich speziell für sehr komplizierte Versorgungssituationen bei getrübten Hornhäuten von Patienten eignete. Die Betroffenen tolerierten entweder erkrankungsbedingt keine Spenderhornhaut oder waren schon mehrfach erfolglos transplantiert worden.

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Das neue Implantat, „ArtCornea“ genannt, eignet sich für Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern. Basis ist ein Polymer, das Wasser gut aufnehmen kann. Das ursprüngliche Material wurde mit einer optimierten Oberflächenbeschichtung versehen: Der Haptikrand etwa wurde chemisch dergestalt verändert, dass er etwas hydrophober ist und Zellen darauf anwachsen können. Nur so verbindet sich das Implantat mit dem umgebenden humanen Gewebe und erhält Stabilität. Ziel der Forscher war es, die Oberfläche und Optik des Implantats zu vergrößern und damit einen besseren Lichteinfall zu ermöglichen, als dies bei der Vorgänger-Keratoprothese der Fall war. Die neue Kunstlinse lässt sich optisch gut verankern. Außerdem ist sie leicht implantierbar und ruft keine Immunreaktion hervor.

Auch bei der zweiten künstlichen Hornhaut mit dem Namen „ACTO-TexKpro“ ist es den Experten gelungen, ein chemisch und biologisch inertes Basismaterial biologisch kompatibel zu machen. Hierfür veränderten die Forscher das Ausgangsmaterial Polyvinylidendifluorid selektiv, indem sie das textile Fluorkunststoffgewebe mit einem reaktiven Molekül beschichteten. Dadurch konnte der Rand des Implantats fest mit der natürlichen Hornhaut verwachsen, wohingegen die innere Optik aus Silikon frei von Zellen und somit klar blieb. Diese Linse eignet sich vor allem für die Erstversorgung, etwa wenn die Hornhaut durch chronische Entzündungen, schwere Unfälle oder Verätzungen zerstört wurde.

Nachdem die Tests im Tierversuch erfolgreich verliefen, sollen jetzt klinische Tests an der Augenklinik Köln-Merheim unter der Leitung von Prof. Dr. med. Norbert Schrage starten. EB

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