ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2012Chronische Darm­er­krank­ung: Psychische Folgen nicht vergessen

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Chronische Darm­er­krank­ung: Psychische Folgen nicht vergessen

PP 11, Ausgabe Dezember 2012, Seite 532

Hillienhof, Arne

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Foto: Fotolia/ag visuell
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Unsicherheit im Sozialkontakt, ein erhöhtes soziales Unterstützungsbedürfnis und Depressivität sind häufige psychische Folgen einer chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ung (CED). Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Jonas Mudter von der Universität Erlangen.

Zwischen September 2011 und März 2012 befragten Mudter und seine Mitarbeiter 270 Personen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und eine Kontrollgruppe von 110 Personen ohne CED in Fragebogen gestützten Interviews dazu, welche psychischen Faktoren ihr Wohlbefinden am stärksten beeinflussen. „Das Ergebnis zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen, dem verstärkten Auftreten von Depressivität sowie einem erhöhten Bedarf an sozialer Unterstützung, wie sie zum Beispiel die Familie oder Selbsthilfegruppen bieten“, so die Wissenschaftler. Diese Faktoren beeinträchtigen laut der Befragung besonders häufig Betroffene mit Morbus Crohn, weniger diejenigen mit Colitis ulcerosa, und sie sind in ihrer Ausprägung abhängig von der Schwere des Entzündungsgrades.

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Ungefähr 320 000 Menschen in Deutschland leiden unter einer CED. Sie brechen besonders häufig im Alter von 15 bis 35 Jahren aus, in einer Zeit also, in der viele Menschen ihre Berufe planen und Familien gründen. Die Krankheiten verlaufen schubweise, mit Bauchschmerzen, häufigen Durchfällen und bei länger anhaltenden Schüben mit Gewichtsverlust und Schwäche. Die Erkrankung kann von Ängsten begleitet sein, die Beschwerden werden häufig im Arbeits- oder sozialen Umfeld tabuisiert und können zu Problemen am Arbeitsplatz führen.

Die Studie „Analyse von psychischen Belastungsfaktoren bei CED-Patienten“ entstand als eines der ersten Projekte der German Inflammatory Bowel Disease Study Group, eine gemeinnützige Studienplattform, in der Vertreter aus Praxen, Kliniken und Universitäten zusammen Studienideen erarbeiten und ausführen.hil

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