ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2012Einkommen der Niedergelassenen: Was verdienen Ärzte wirklich?

POLITIK

Einkommen der Niedergelassenen: Was verdienen Ärzte wirklich?

PP 11, Ausgabe Dezember 2012, Seite 539

Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Zahlen kursieren viele. Doch wie ist die wirtschaftliche Situation in den Praxen? Bei einer Fachtagung wurde klar: Es fehlen unumstrittene Daten, etwa zu Kosten. Zudem lähmt der Honorarstreit die Suche nach hilfreichen Berechnungsmodellen.

Als der Streit um die Honorare für 2013 noch lange nicht entschieden war, schlug der Leiter der Abteilung Ambulante Versorgung beim GKV-Spitzenverband Bund (Spibu), Dr. Manfred Partsch, Folgendes vor: Man möge sich doch in Zukunft auf gemeinsame Berechnungsmodelle für die Kosten- und Preisentwicklung in Arztpraxen verständigen. Den Vorschlag wiederholte er Ende November bei einer Fachtagung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) zum Thema Wirtschafts- und Arbeitssituation der Vertragsärzte: „Wir wollen keine Wiederholung der Auseinandersetzungen wie dieses Jahr.“

Mancher Teilnehmer stimmte Partsch zu. Doch das Vorhaben wird schwierig. Nicht umsonst wies der Statistiker Prof. em. Dr. Peter von der Lippe darauf hin, dass Statistik am Ende eine Sache des Vertrauens sei – und daran mangelt es zwischen Spibu und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Deshalb musste sich das ZI vorhalten lassen, mit Hilfe seines Praxispanels ZIPP (Kasten) rechne es die Ärzte arm, während den Krankenkassen vorgeworfen wurde, die Ärzte beispielsweise durch praxisferne Kostenstrukturannahmen reich zu rechnen.

Anzeige

Einigkeit herrschte am ehesten darüber, dass eine breitere Datenbasis wünschenswert wäre. Zwar ist festgelegt, dass die Entwicklung von Investitions- und Betriebskosten in die Weiterentwicklung des Honorars einfließen muss. Doch beide, amtliche Statistik wie ZIPP, können nur auf Datensätze von circa 4000 Praxen zurückgreifen. Das ZI verlangt immerhin steuerliche Testate, das Statistische Bundesamt nur freiwillige Auskünfte. Gleichwohl unterstellten Kassenvertreter, beim ZI-Panel würden sich vor allem diejenigen beteiligen, die mit Umsatz und Gewinn unzufrieden sind. Auch die angegebenen Wochenarbeitszeiten wurden angezweifelt.

Auf Dauer nutzt Empirie

ZI-Geschäftsführer Dr. med. Dominik von Stillfried wies diese Kritik zurück, nicht zuletzt, weil sein Institut die anonymisierten Angaben aus den Praxen mit Abrechnungsdaten abgleichen kann. Schwerer zu entkräften war der Vorwurf, das ZI rechne die Ärzte arm, indem es ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten ins Panel einbeziehe, obwohl diese auf andere Praxiskosten und Wochenarbeitszeiten kämen als andere Facharztgruppen. „Wir akzeptieren diese Vorgehensweise nicht“, stellte Partsch klar. Von Stillfried konterte, dass auch ohne diese Gruppen das Einkommen der niedergelassenen Ärzte im Schnitt nicht den Referenzwert erreiche, auf den man sich im Jahr 2009 geeinigt habe.

Dr. Ronny Wölbing (Prognos) musste sich ebenfalls Kritik gefallen lassen: Er setze den Anteil an fixen Kosten in Arztpraxen zu hoch an, seinen Analysen fehlten Hinweise auf regionale Unterschiede und Unterschiede innerhalb von Facharztgruppen. Wölbing geht davon aus, dass sich generell in gewissem Umfang Kosten pro Patient reduzieren lassen, also Effizienzsteigerungen möglich sind. Auch dass die Niedergelassenen mehrheitlich am Limit arbeiteten, bezweifelt er: Nur führten die im System eingebauten Mengenbegrenzungen „dazu, dass Ärzte sich sehr genau ausrechnen können, wann es sich lohnt, einen Termin zu verschieben“.

ZI-Geschäftsführer von Stillfried schloss die Tagung mit dem Hinweis, er sei weiterhin von einer „empirisch gestützten Verhandlungskultur“ überzeugt. Und weil man noch an den Grundlagen des Praxispanels arbeitet, ergänzte er: Nicht jeder Vorwurf müsse dauerhaft auf dem ZI sitzen bleiben.

Sabine Rieser

DER STREIT: ZIPP VERSUS PROGNOS

Der Streit zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband Bund (Spibu) darüber, wie viel niedergelassene Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten in den letzten Jahren verdient haben, ist nicht ausgefochten. Argumentiert wird unter anderem mit Daten des Praxispanels des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung und denen des Prognos-Gutachtens, das vor allem auf Angaben des Statistischen Bundesamts beruht.

Während KBV-Vorstand Dr. med. Andreas Köhler im Frühjahr als Ausgleich für gestiegene Betriebskosten und für Investitionen in Praxen 1,7 Milliarden Euro mehr für 2013 forderte, verlangte Spibu-Verhandler Johann-Magnus von Stackelberg Einsparungen von circa zwei Milliarden Euro.

Nach dem Praxispanel erzielten Praxen 2008 einen Überschuss von 92000 Euro statt des von KBV wie Spibu als angemessen festgelegten Überschusses von 105000 Euro pro Jahr aus der Behandlung gesetzlich Krankenversicherter. Die Praxiskosten seien erheblich gestiegen, zwei Milliarden Euro für Investitionen fehlten. Prognos rechnet anders: Der Überschuss habe im Jahr 2011 bei durchschnittlich 134000 Euro gelegen, und zwar ohne Einnahmen aus Privatbehandlung. Zwar seien die Kosten gestiegen, die Einnahmen aber weit mehr.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #665948
ärzteeinkommen
am Montag, 13. Mai 2013, 14:35

Ärzte arm gerechnet ?

Wenn man den Praxisüberschuss aus dem Jahr 1999 (1 054 011 DM, das entspricht 538 907 €) eines Internisten aus Sachsen-Anhalt zugrunde legt, dann hat das Zl die ärzlichen Einkommen nicht arm, sondern sogar bettelarm gerechnet. Diese echten Überschuss-Zahlen ergeben sich aus einem Rechtsstreit dieses Internisten vor dem Finanzgericht Sachsen-Anhalt (Urteil vom 29.10.09 - 5 K 531/06) bzw. dem BFH (Urteil vom 04.12.12 - VIII R 50/10). Dieser Überschuss ergibt sich sicherlich aus kassenärzlicher Behandlung und Privatbehandlung zusammen. Wenn man diesen Betrag mit bescheidenem Inflationsbetrag von 1 % pro Jahr auf das Jahr 2011 hochrechnet, ergibt sich ein Betrag von rd. 607 000 €. Wenn man nun den höchsten im Beitrag von Frau Sabine Rieser genannten, durchschnittlichen Überschuss-Betrag 2011 von 134 000 € allein für kassenärztliche Behandlung als richtig unterstellt, würde sich für diesen Internisten aus der Privatbehandlung ein anteiliger Überschuss von 473 000 € ergeben, was ja wohl aufgrund der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung an gesetzlich und privat Versicherten nicht sein kann.
Ergebnis : Die veröffentlichten Ärzteeinkommen zur kassenärztlichen Behandlung (egal aus welcher Quelle auch immer) sind völlig unglaubhaft.
Avatar #665948
ärzteeinkommen
am Montag, 13. Mai 2013, 14:31

Ärzte arm gerechnet ?

Wenn man den Praxisüberschuss aus dem Jahr 1999 (1 054 011 DM, das entspricht 538 907 €) eines Internisten aus Sachsen-Anhalt zugrunde legt, dann hat das Zl die ärzlichen Einkommen nicht arm, sondern sogar bettelarm gerechnet. Diese echten Überschuss-Zahlen ergeben sich aus einem Rechtsstreit dieses Internisten vor dem Finanzgericht Sachsen-Anhalt (Urteil vom 29.10.09 -
5 K 531/06) bzw. dem BFH (Urteil vom 04.12.12 - VIII R 50/10). Dieser Überschuss ergibt sich sicherlich aus kassenärzlicher Behandlung und Privatbehandlung zusammen. Wenn man diesen Betrag mit bescheidenem Inflationsbetrag von 1 % pro Jahr auf das Jahr 2011 hochrechnet, ergibt sich ein Betrag von rd. 607 000 €. Wenn man nun den höchsten im Beitrag von Frau Sabine Rieser genannten, durchschnittlichen Überschuss-Betrag 2011 von 134 000 € allein für kassenärztliche Behandlung als richtig unterstellt, würde sich für diesen Internisten aus der Privatbehandlung ein anteiliger Überschuss von 473 000 € ergeben, was ja wohl aufgrund der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung an gesetzlich und privat Versicherten nicht sein kann.
Ergebnis : Die veröffentlichten Ärzteeinkommen zur kassenärztlichen Behandlung (egal aus welcher Quelle auch immer) sind völlig unglaubhaft.
Avatar #665948
ärzteeinkommen
am Montag, 13. Mai 2013, 14:27

Ärzte arm gerechnet ?

Wenn man den Praxisüberschuss aus dem Jahr 1999 (1 054 011 DM, das entspricht 538 907 €) eines Internisten aus Sachsen-Anhalt zugrunde legt, dann hat das Zl die ärzlichen Einkommen nicht arm, sondern sogar bettelarm gerechnet. Diese echten Überschuss-Zahlen ergeben sich aus einem Rechtsstreit dieses Internisten vor dem Finanzgericht Sachsen-Anhalt (Urteil vom 29.10.09 -
5 K 531/06) bzw. dem BFH (Urteil vom 04.12.12 - VIII R 50/10). Dieser Überschuss ergibt sich sicherlich aus kassenärzlicher Behandlung und Privatbehandlung zusammen. Wenn man diesen Betrag mit bescheidenem Inflationsbetrag von 1 % pro Jahr auf das Jahr 2011 hochrechnet, ergibt sich ein Betrag von rd. 607 000 €. Wenn man nun den höchsten im Beitrag von Frau Susanne Rieser genannten, durchschnittlichen Überschuss-Betrag 2011 von 134 000 € allein für kassenärztliche Behandlung als richtig unterstellt, würde sich für diesen Internisten aus der Privatbehandlung ein anteiliger Überschuss von 473 000 € ergeben, was ja wohl aufgrund der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung an gesetzlich und privat Versicherten nicht sein kann.
Ergebnis : Die veröffentlichten Ärzteeinkommen zur kassenärztlichen Behandlung (egal aus welcher Quelle auch immer) sind völlig unglaubhaft.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema