ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2012Sportliche Aktivität: Unterschiedliche Effekte auf die Psyche

BÜCHER

Sportliche Aktivität: Unterschiedliche Effekte auf die Psyche

PP 11, Ausgabe Dezember 2012, Seite 563

Koch, Joachim

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Spannend sind die Perspektiven, die dieses Buch bietet, das gerade recht kommt, weil im Alltag sehr häufig die Meinung vertreten wird, dass Sport ein Allheilmittel gegen alle Belastungen und Probleme ist. Dass das keinesfalls so stimmt, machen die Autoren deutlich, indem sie den aktuellen Forschungsstand zum Thema zusammengetragen haben. Sportliche Aktivität – das sei als Fazit hier schon vorweggenommen – hat viele positive Wirkungen auf die seelische Gesundheit, aber die Effekte sind unterschiedlich, auch unterschiedlich gut erforscht.

Sportliche Aktivität kann auch negative Wirkungen haben, zum Beispiel, wenn aggressive Handlungen ausgelöst werden oder wenn Personen mit Essstörungen sportliche Aktivität instrumentalisieren, um in lebensgefährlicher Weise nach Schlankheit zu streben. Eine differenzierte Sichtweise ist notwendig, was dem Autorenteam gelingt, indem in 16 Kapiteln sportliche Aktivität zu unterschiedlichen Erkrankungen, Beschwerden und Befindlichkeiten in Beziehung gesetzt wird: zu Angststörungen, psychosomatischen Beschwerden, zur Stressregulation, zu Essstörungen oder gelingendem Altern.

Anzeige

Dabei ist schon der Begriff der sportlichen Aktivität vielgestaltig. Sie wird definiert als eine körperliche Aktivität, die die typischen Bewegungsinszenierungen des Sports übernimmt, ohne zwangsläufig den Charakteristiken des Sports (Wettkampf, Rekord und formale Chancengleichheit) zu folgen. Der Begriff sportliche Aktivität ist weiter gefasst als der traditionelle Begriff Sport, aber auch enger als das Globalkonzept „körperliche Aktivität“.

Im Kapitel „Sportliche Aktivität und Depression“ zeigen die Autoren, dass sich die antidepressive Wirksamkeit von sportlicher Aktivität zum Teil nicht von anderen Therapiemethoden wie Psychotherapie oder Antidepressiva unterscheidet. Bei der Bewertung der Wirksamkeit ist auf die Heterogenität depressiver Störungen zu verweisen sowie auf die Komplexität sportlicher Aktivität. Positive Effekte von sportlicher Aktivität auf depressive Erkrankungen werden erreicht durch ein gemischtes Training von Ausdauer und Kraft, ein lediglich moderat- intensives Training (drei Wochenstunden sind ausreichend) und ein weniger langfristiges Training (bis maximal 16 Wochen). Die Autoren bemerken, dass bei depressiven Patienten motivierende Faktoren eine wichtige Rolle spielen wie auch die Frage des Eingebundenseins von sportlicher Aktivität in einen Sinnkontext. Joachim Koch

Reinhard Fuchs, Wolfgang Schlicht: Seelische Gesundheit und sportliche Aktivität. Hogrefe Verlag 2012, 324 Seiten. 29, 95 Euro.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema