ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2012Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom: Überblick über den aktuellen Stand

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Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom: Überblick über den aktuellen Stand

PP 11, Ausgabe Dezember 2012, Seite 562

Behrens, Stefan

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Bei dem Buch beeindruckt zu Beginn der etwas reißerische Titel. Derartige populärwissenschaftliche Einband-Blickfänger fallen immer häufiger, besonders in dieser Rubrik psychischer Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten, auf. Wissenschaftliche Studien wie auch populistische Beiträge sind sich hier auch oftmals ähnlich, so dass es in der weiten und zum Großteil noch immer unbekannten Landschaft des Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndroms (AHDS) als Ortsfremder, Durchreisender oder Arbeitspendler an guten Orientierungspunkten schlichtweg mangelt.

Ohlmeier und Roy resümieren in ihrem Buch aktuelle medizinische, sozialtherapeutische und psychotherapeutische Aspekte in entscheidender Kürze. Für die Zielgruppe der betroffenen Erwachsenen hilfreich sind die Ein- und Ausblicke in die ADHS-typischen Ressourcen und „besonderen Fähigkeiten“, wie Kreativität oder aktives Problemlöseverhalten. Diese werden in vielen Veröffentlichungen häufig gänzlich vernachlässigt und sollten doch in der Therapie einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

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Der Schwerpunkt des Buchs ist in den Ausführungen der Grundlagen medizinisch ausgerichtet und setzt darüber hinaus ADHS bei Erwachsenen kompetent in Verbindung mit den typischen Komorbiditäten oder Differenzialdiagnosen, wie Substanzabhängigkeit, Asperger-Syndrom oder Delinquenz. Dabei ist die genannte Kürze zwar ein Vorteil, um neue Anstöße zur weiterreichenden spezifischen Literatur zu bekommen, doch zeichnet sich dies besonders in Bezug auf die Knappheit der Beschreibung der (psycho-) therapeutischen Möglichkeiten zur unterstützten Alltagsbewältigung und Beziehungsgestaltung eher als nachteilig ab. Hier fehlt es für ein eigen benanntes „Praxisbuch“ an nützlicher Praxis. Gerade in der Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sind eine sinnvolle Alltagsstrukturierung, soziale Kompetenz und mitunter mühselig erlernte Fertigkeiten zur Emotionsregulation und Impulskontrolle wichtig. Dies kommt zu kurz und könnte etwas mehr mit praktischen Beispielen und einigen Trainingstipps angereichert sein.

Zusammenfassend richtet sich das Buch eher an Neulinge auf dem Gebiet der ADHS, die in aller Kürze einen Überblick über den aktuellen Stand der medizinisch-neurologischen Grundlagen und pharmakologischen oder psychotherapeutischen Behandlung benötigen. Treffende und auffordernde Ausblicke in experimentelle Untersuchungen wie auch Behandlungs- und Lebensläufe von ADHS-Betroffenen runden das Buch gut ab und zeigen die Notwendigkeit in der klinischen Tätigkeit auf, sich weiter diesem Themengebiet zu widmen. Stefan Behrens

Martin D. Ohlmeier, Mandy Roy (Hrsg.): ADHS bei Erwachsenen – ein Leben in Extremen. Ein Praxisbuch für Therapeuten und Betroffene. Kohlhammer, Stuttgart 2012, 196 Seiten, kartoniert, 19,90 Euro

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