ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2012Ausländische Ärzte: Falsch verstandene Kollegialität
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Ein Arzt muss sich mit Patienten jeden Alters und Bildungsstands auf angepasstem Sprachniveau verständigen können. Dabei kommt es nicht allein auf die Kommunikation expressis verbis an, sondern verstanden werden müssen in empathischer Zuwendung ebenso die nicht direkt geäußerten Zweifel und Ängste, die in dem jeweiligen Sprachgebrauch liegen . . .

Er braucht so viel Deutsch, dass er jederzeit in der Lage ist, ohne fremde Hilfe einen Arztbrief zu verfassen, der im normalen Geschäftsgang und ohne mehrfache Korrektur Dritter dem nachfolgenden Arzt die Weiterbehandlung ermöglicht und gleichzeitig eine „Visitenkarte“ der medizinischen Einrichtung/Praxis darstellt. Zum letzten Punkt gibt es keinen Unterschied zur Geschäftspost im unternehmerischen Geschäftsverkehr.

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Aus gutem Grund ist daher in § 3 BÄO für die Erteilung der Approbation die für die Ausübung der Berufstätigkeit erforderliche Kenntnis der deutschen Sprache zwingende Voraussetzung. Anders gesagt: Mit Erteilung der Approbation wird amtlich das Vorliegen der erforderlichen Sprachkenntnisse per Verwaltungsakt bescheinigt.

Das Vorliegen der erforderlichen Sprachkenntnisse wird in den Bundesländern unterschiedlich geprüft und scheint vor dem Hintergrund des bestehenden Ärztemangels nicht immer zweckmäßig zu erfolgen . . . Vornehmlich geht es um das Beherrschen der medizinischen Terminologie. Ebenso wird die Schriftsprache nicht überprüft . . .

Somit werden sprachunkundige Ärzte in Kliniken häufig von (schriftlichen) Kommunikationsaufgaben zugunsten manueller Tätigkeiten entbunden. Diese müssen die verbleibenden Ärzte übernehmen, die ihrerseits dadurch oft eine Einschränkung der Weiterbildungschancen erfahren. Das schürt schlechte Stimmung.

Dem sprachunkundigen Arzt wird damit zugleich der Druck genommen, seine Sprachkompetenz zu verbessern. Denn obwohl sich inzwischen auch Prüfer bei der Facharztprüfung über mangelnde Sprachkenntnisse beschweren, so führt das nicht zur Wiederholung der Prüfung unter der Auflage der Verbesserung deutscher Sprachkenntnisse. Das ist falsch verstandene Kollegialität. Möglicherweise fehlt den Ärztekammern aber auch die rechtliche Kompetenz, das Bestehen der Facharztprüfung aus sprachlichen Gründen zu verweigern, wenn zuvor die Sprachkenntnis staatlicherseits per Approbation festgestellt wurde . . .

Der richtige Weg wäre, dass ausländische Ärzte zuerst die Sprachkompetenz erwerben, danach approbiert werden und danach in deutschen Kliniken arbeiten. Alles andere ist lebensgefährlich! Daher muss zur Erteilung der Approbation der Nachweis der Deutschkenntnisse – ähnlich wie im 2. Juristischen Staatsexamen in einem mündlichen und schriftlichen Aktenvortrag – erfolgen.

Dr. med. Johannes Kamp, 53113 Bonn

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