MEDIEN

Gesundheits-Apps: Wie lässt sich Qualität erkennen?

Dtsch Arztebl 2012; 109(51-52): A-2594 / B-2130 / C-2082

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Apps im Gesundheitsbereich bergen nicht nur vielfältige Potenziale, sondern auch Risiken. Experten arbeiten an Qualitätsstandards und Prüfkriterien, die den Markt transparenter machen sollen.

Circa 200 Millionen mobile Gesundheits-Apps sind derzeit nach Meinung von Experten weltweit im Einsatz. Das Angebot ist schier unüberschaubar, die Funktionspalette riesig. Es sei der Consumer-Bereich, der durch Smartphones und Tablets die Entwicklung hin zu Social Media und Mobile Health triggere, betonte Beatrix Reiß vom Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ZTG), Bochum, bei einem Workshop in Hannover.* Im medizinischen Umfeld müssten jedoch besondere Anforderungen, etwa an den Datenschutz und die Datensicherheit, beachtet werden, so die Expertin. „Derzeit gibt es Wildwuchs und keine Integration der Programme.“

„App-Synopsis“

Voraussetzung für den Einsatz im Gesundheitsbereich ist laut Dr. med. Urs-Vito Albrecht, Peter-L.-Reichertz-Institut für Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover, die Vertrauenswürdigkeit der Applikation hinsichtlich Funktion, Integrität, Stabilität, Datentransfer und -management. „Die App muss sicher, wirksam und handhabbar sein“, erklärte der Experte. Maßnahmen zum Patientenschutz werden für Apps, die als Medizinprodukte in den Verkehr gebracht werden, durch die Regulierung gewährleistet. Damit sind sie meldepflichtig und einem Prüfverfahren durch die Benannten Stellen unterworfen. Dies ist Albrecht zufolge bei Apps allerdings noch die Ausnahme, denn die Mehrzahl der Apps wird nicht als Medizinprodukt angeboten. Für alle anderen Apps gebe es Alternativen in Form von freiwilligen Zertifizierungsprogrammen privater Dienstleister. Allerdings scheuen die meisten Anbieter den Aufwand einer Zertifizierung. Die Folge: Wer sich heute eine App herunterlädt und installiert, weiß in der Regel nur wenig über das Produkt.

Vor diesem Hintergrund schlägt Albrecht eine „App-Synopsis“ durch den Hersteller vor, die an prominenter Stelle, etwa in der Produktbeschreibung auf den Angebotsseiten der betreffenden AppStores, zu finden sein sollte. Vertreter des Aktionsforums Gesundheitsinformationssystem (afgis) und weiterer Institutionen haben daher eine Liste von Qualitätsmerkmalen für Health Apps erarbeitet (Kasten).

Das ZTG arbeitet zudem im Rahmen der Landesinitiative eGesundheit.nrw an einer Bewertungsplattform für Gesundheits-Apps. Ein Prototyp des „App-Check“ ist unter www.gesundheitsapps.info freigeschaltet. Dabei testet die ZTG Gesundheits-Apps auf Basis eines Kriterienkatalogs, der zum Beispiel den Schutz der mittels App verwalteten Daten, technische Anforderungen und Transparenz bezüglich der Finanzierung abfragt, und stellt die Ergebnisse online zur Verfügung. Ziel ist es, für den Anwender hilfreiche Informationen über eine App zusammenzustellen und mittels verschiedener Suchfilter, etwa nach Kategorien, Zielgruppen und Schlagworten, zu erschließen. Angesichts der Masse angebotener Apps und der Dynamik des Marktes erscheint es allerdings fraglich, ob auf diese Weise mehr Transparenz geschaffen werden kann.

Selbstverpflichtung

Einen anderen Weg geht die von der Apothekerin Dr. Ursula Kramer gegründete Initiative Präventionspartner, die gemeinsam mit der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen den „Healthon-App-Ehrenkodex“ entwickelt hat. Dieser umfasst sieben Kriterien, die gesundheitsbezogene Informationen und Services in Apps als vertrauenswürdig auszeichnen. Der Kodex umfasst unter anderem auch die Werbefreiheit der Software: Der Anbieter versichert, dass alle Gesundheitsinfos frei sind von der Einflussnahme durch potenzielle Produkt- oder Unternehmensinteressen von Werbepartnern und/oder Sponsporen. Der Kodex beruht auf dem Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtung, ähnlich wie beim bekannten HON-Code der Health On The Net Foundation für Gesundheits-Websites. Jeder App-Anbieter kann sein Produkt mit einem Online-Testformular unter www.healthon.de selbst überprüfen. Wer den Ehrenkodex erfüllt, darf das kostenfreie Healthon-Siegel nutzen, um damit nach außen zu signalisieren, dass er als vertrauensvolle Quelle gesundheitsbezogener Informationen gelten will und sich um Transparenz bemüht.

Heike E. Krüger-Brand

*afgis-Workshop: „Gesundheit als Applikation. Medical Apps in der Diskussion“, 7. Dezember 2012, Hannover

Qualitätsmerkmale

Folgende Angaben sollten die Hersteller liefern, wenn sie eine App auf den Markt bringen:

  • Angaben über den Hersteller (Impressum, Autoren, Quellen, Aktualität der Daten, Rückmeldemöglichkeit)
  • Angaben über das Produkt (Darstellung des Anwendungsbereiches, Versionsnummer, Nutzen, Funktionalität, durchgeführte Tests, Studien oder Ähnliches, bekannte und behobene Störungen, Limitationen)
  • Angaben zum Datenschutz (Datenschutzerklärung)
  • Angaben zur Finanzierung (Finanzierungsquellen)

Quelle: afgis – Aktionsforum Gesundheitsinformationssysteme e.V., Medinfo.de, Peter-L.-Reichertz-Institut für Medizinische Informatik, Initiative Präventionspartner, ZTG GmbH

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige