ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2012Personalabteilungen in den Krankenhäusern: Planen statt verwalten

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Personalabteilungen in den Krankenhäusern: Planen statt verwalten

Dtsch Arztebl 2012; 109(51-52): [51]

Flintrop, Jens

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Der Personalmangel zwingt die Personalverantwortlichen in den Krankenhäusern zum Umdenken.

Den Personalabteilungen der Krankenhäuser kommt eine immer größere strategische Bedeutung zu. An die Stelle der reinen Verwaltung treten zunehmend eine effiziente Planung und ein anspruchsvolles Zeitmanagement. Das belegt die Deloitte-Studie „Rollen von Fach- und Führungskräften im Krankenhaus der Zukunft – Herausforderungen für das Personalmanagement“. Die Unternehmensberatung hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Change Management und Innovation sowie dem Institut für Marketing und Entrepreneurship der Hochschule Esslingen 40 Personalleiter und 29 Geschäftsführer von Krankenhäusern zum Personalmarkt befragt.

Restrukturierung, demografische Entwicklung, ständiger Kostendruck – es gibt viele Gründe dafür, dass Krankenhäuser immer größere Schwierigkeiten haben, geeignetes Personal zu finden. Das gilt der Umfrage zufolge vor allem für Assistenzärzte und Pflegestellen mit Fachweiterbildung (siehe Grafik). Dabei bleiben die Assistenzarztstellen deutlich länger unbesetzt als die Stellen in der Pflege. Der Durchschnitt liegt bei den Ärzten zwischen drei und sechs Monaten, in der Pflege bei drei Monaten.

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Knappe Budgets

Häufiger Grund für die schleppende Besetzung freier Stellen ist ein Mangel an geeigneten Bewerbern – aber auch knappe Budgets sorgen dafür, dass Positionen unbesetzt bleiben. Eingeschränkte Vergütungsmöglichkeiten und hohe Anforderungen erschweren dabei die Gewinnung neuer Mitarbeiter, die für die Mehrheit der Befragten noch deutlich problematischer ist als die Bindung vorhandener Fachkräfte.

Für die Geschäftsführer steht bei der Planung kommender Geschäftsjahre die Investitions- und Finanzplanung im Vordergrund, direkt dahinter folgt die Personalplanung. Die Hauptschwächen sehen die Geschäftsführer dabei im Fehlen einer langfristigen Strategie und einer unprofessionellen Rekrutierung.

Besonders gefragt ist eine neue Generation von Führungskräften. Die geforderten Qualifikationen liegen vor allem im Bereich Führungskompetenz und Soft Skills – hier herrscht noch erheblicher Nachholbedarf. Um die begehrten Kräfte zu gewinnen, gehen die Personalverantwortlichen heute deutlich früher auf potenzielle Bewerber zu. Auch spielen Infrastrukturangebote wie Kindertagesstätten sowie flexible Arbeitszeiten eine zentrale Rolle. Wenn es um die Mitarbeiterbindung geht, stehen Weiterbildungsmöglichkeiten im Fokus – und ebenfalls ein familienfreundliches Arbeitsumfeld.

Die bislang umgesetzten Maßnahmen werden von 64 Prozent der Befragten als erfolgreich bezeichnet, je 18 Prozent können noch keinen Effekt erkennen oder geben an, die Maßnahmen hätten sich nicht bewährt. In die letztgenannte Kategorie fallen vor allem Sport- und Gesundheitsangebote. Die Themen Weiterbildung und Familienfreundlichkeit hingegen kommen gut an.

In den nächsten Jahren wollen sich die Verantwortlichen vor allem mit Personalrekrutierung und Personalbedarfsplanung befassen. Dabei zeigt die Studie, dass strategische Themen des Personalmanagements durchaus nicht überall ganz oben auf der Prioritätenliste stehen – obwohl der Fachkräftemangel heute bereits so gut wie alle Kliniken beschäftigt.

Veränderte Ansprüche

„Was für Krankenhäuser noch ungewohnt sein mag, gewinnt angesichts der heutigen und vor allem der künftigen Situation an Bedeutung: Die Verantwortlichen werden sich stärker bemühen müssen, die hohe Attraktivität als Arbeitgeber für ihr Haus sicherzustellen und auch im Bewerbermarkt zu vermitteln. Und sie sollten eine entsprechende Personalstrategie erarbeiten, in die alle Maßnahmen eingebettet sind“, kommentiert Dr. Gregor-Konstantin Elbel, Partner Healthcare bei Deloitte, die Befragungsergebnisse. „Die jungen Generation lege deutlich mehr Wert auf eine ausgewogene Work-Life Balance. Elbel: „Die Führungskräfte der alten Generation müssen sich damit auseinandersetzen und neue Lösungen suchen.“ JF

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