ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2012Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz: Ein wichtiger Schritt für die Versorgung

POLITIK

Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz: Ein wichtiger Schritt für die Versorgung

Meißner, Marc

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Bei einer Expertenanhörung zum Krebsregistergesetz im Gesundheitsausschuss des Bundestags wurde schnell klar: Mit dem Gesetz wird sich die Versorgung von Krebspatienten verbessern. Nur bei Detailfragen besteht noch Klärungsbedarf.

Foto: mauritius images
Foto: mauritius images

Die Regierung sagt dem Krebs den Kampf an“, erklärte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr bei der Vorstellung des Entwurfs zum Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG). Bei einer Expertenanhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags konnte man den Eindruck haben, dass sie mit dem Gesetzentwurf auf dem besten Weg ist, diesen Kampf zu gewinnen. Vor allem der geplante Aufbau flächendeckender klinischer Krebsregister wurde von den Fachleuten gelobt.

Anzeige

Dokumentationsaufwendig?

Dr. med. Monika Klinkhammer-Schalke, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren, unterstrich die Bedeutung der Register für die Verbesserung der Versorgung: „Wir brauchen in der regionalen Versorgung eine Rückspiegelung an den Arzt: Hat er die Leitlinien angewandt? Hat er damit den gewünschten Therapieerfolg erzielt?“ Dies sei wichtig sowohl für den Arzt als auch für die Kliniken, um zu sehen, wo die Versorgung und die Leitlinien verbessert werden können, betonte Klinkhammer-Schalke.

Kritik am Gesetzentwurf gab es vor allem bei Details der Umsetzung. So ist beispielsweise noch unklar, inwieweit der Dokumentationsaufwand die Ärzte zusätzlich belasten wird. Zwar sieht das Gesetz eine Vereinheitlichung der Datensätze vor. „Das heißt aber nicht, dass jede Institution, die darauf zugreifen will, das auch problemlos kann“, erklärte Dr. med. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss. In Kliniken müssen Daten für die DRG-Abrechnung, OPS-Kodierung, Qualitätssicherung und für klinische Register in unabhängigen Systemen dokumentiert werden. Auch bei einheitlichen Datensätzen ist deshalb eine Mehrfachdokumentation notwendig.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Finanzierung der laufenden Kosten für die klinischen Register. Das Gesetz sieht eine Erstmeldungspauschale von 90 Euro vor, die von den Krankenkassen zu zahlen ist. Christiane van Emmerich, Referentin der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sprach sich hingegen für einen Vorschlag des Gesundheitsausschusses des Bundesrats aus: Eine Pauschale von 119 Euro, die zu 90 Prozent von den Kassen und zu zehn Prozent von den Ländern finanziert werden soll. „Allerdings müsste unbedingt festgelegt werden, dass die Länder zur Zahlung darüber hinausgehender Investitionskosten der Kliniken verpflichtet sind“, forderte van Emmerich.

Krebshilfe zahlt für Register

Dass Zweifel an der Zahlungsbereitschaft der Länder nicht ganz unbegründet sind, zeigt sich bei der Finanzierung neu aufzubauender klinischer Krebsregister: Zwar sieht der KFRG-Entwurf vor, dass die Länder diese einrichten, aber zahlen wollen diese nicht. Die voraussichtlichen Investitionskosten von acht Millionen Euro trägt deshalb zu 90 Prozent die Deutsche Krebshilfe, und lediglich zehn Prozent kommen von den Ländern. „Die Deutsche Krebshilfe hat beschlossen, 90 Prozent der Erstkosten zu übernehmen, weil wir davon überzeugt sind, dass das Gesetz die Krebsversorgung entscheidend verbessern wird“, erklärte Hans-Peter Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, das Engagement des Vereins.

Dr. rer. nat. Marc Meißner

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote