ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2012Medien und Gesellschaft: Der Wert der Information

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Medien und Gesellschaft: Der Wert der Information

Dtsch Arztebl 2012; 109(51-52): A-2557 / B-2097 / C-2049

Stüwe, Heinz

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Das Jahr 2012 wird als das der Zeitungskrise in Erinnerung bleiben. Gleich zwei renommierte deutsche Blätter machten im November Negativschlagzeilen in eigener Sache: Die „Frankfurter Rundschau“ (FR) ging in die Insolvenz, und für die Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ (FTD) wurde das Aus verkündet, inzwischen ist das lachsfarbene Blatt schon vom Kiosk verschwunden. Jeder Fall hat seine eigenen Hintergründe und Ursachen, beiden Blättern – der traditionsreichen FR und der jüngeren, nur zwölf Jahre alt gewordenen FTD – ist gemeinsam, dass sie für Qualitätsjournalismus stehen. Da sich die wirtschaftlichen Probleme der Presse nicht auf diese beiden Zeitungshäuser beschränken (und auch die ärztliche Fachpresse keineswegs immun ist), besteht Anlass, sich zu sorgen – um die Pressevielfalt und um die Qualität der Information.

Dass die Medien eine wichtige Funktion in der demokratischen Gesellschaft haben, bedarf keiner langen Erläuterung – erst recht nicht, wenn ein Wahljahr bevorsteht. Als Staatsbürger sind wir auf unabhängige, kritische und verlässliche Informationen angewiesen. Vertiefte Information, die Zusammenhänge herstellt, benötigen aber auch alle, die beruflich Verantwortung für andere tragen, die mit komplexen Problemen konfrontiert sind, die wissenschaftlich auf dem Laufenden sein müssen. Das trifft in besonderem Maße auf Ärzte zu. Gute Information wird deshalb ihren Wert behalten. Nur die Vermittlungswege ändern sich. Es liegt in der der Verantwortung der Medienschaffenden, sich auf den Wandel zum digitalen Zeitalter einzustellen. Die Medienangebote müssen dem Informationsbedürfnis des Lesers, des Internetnutzers entsprechen.

Aber die Verantwortung der Medien reicht weiter. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, antwortete der „ZEIT“ auf die Frage, wie guter Journalismus überleben könne: „Genau wie immer. Mit kritischer Recherche, lebendiger Sprache, mutiger Haltung.“ Leider werden nicht alle in den Medien Tätigen dieser Verantwortung gerecht. So könnte sich der jüngst bekanntgewordene „Spionagefall“ aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium als Presseskandal entpuppen, sollte wirklich ein Online-Informationsdienst den Mitarbeiter einer Informationstechnikfirma bezahlt haben, um illegal an Exklusivinformationen aus dem Ministerium zu kommen (siehe Artikel „IT-Mitarbeiter spioniert im BMG“ in diesem Heft). Durch unseriöse Arbeitsmethoden ruinierte Glaubwürdigkeit lässt sich nicht so einfach reparieren.

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Heinz Stüwe, Chefredakteur
Heinz Stüwe, Chefredakteur

Gleichwohl besteht kein Anlass, in Kulturpessimismus zu verfallen und beispielsweise die Vor-Internet-Ära als die gute alte Zeit zu preisen. Letztlich bestimmen wir selbst das Medienangebot der Zukunft. Das gilt für die TV-Seifenoper wie für die wissenschaftliche Fachzeitschrift. Den Tante-Emma-Läden der Sechzigerjahre haben auch nicht dunkle Mächte den Garaus gemacht, sondern die Verbraucher, die lieber billig bei Discountern einkaufen. Genauso werden auch die Verbraucher entscheiden, welche Informationen sie künftig gedruckt, welche elektronisch geboten bekommen. Es ist zu hoffen, dass es weiterhin viele Anspruchsvolle geben wird, die kritische und glaubwürdige Medien als geldwerte Errungenschaften betrachten.

Das Deutsche Ärzteblatt hat – das zeigen viele Briefe an die Redaktion ebenso wie Befragungen – anspruchsvolle Leserinnen und Leser. Für die Redaktion ist das Ansporn bei ihrer weiteren Arbeit.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2013.

Heinz Stüwe
Chefredakteur

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