ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2013Oxytocinspiegel entscheidend
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Die Ursachen, die zur postnatalen Depression führen, bilden ein Geflecht von körperlichen, hormonellen, biochemischen, psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Einflüssen. Daraus ergibt sich, dass eine erfolgreiche Behandlung alle diese Faktoren mit berücksichtigen und in das Behandlungskonzept mit einbeziehen muss.

Es sollte aber ergänzt werden, dass Oxytocin eine wichtige Bedeutung über die ganze Phase von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett hat. Ein niedriger Oxytocin-Spiegel in den letzten vier Schwangerschaftsmonaten scheint mit einem erhöhten Risiko verbunden zu sein, in den ersten zwei Wochen nach der Geburt Symptome einer Wochenbettdepression zu entwickeln. Ein gutes Bonding nach der Geburt, wie es Standard in zertifizierten „Babyfreundlichen Krankenhäusern“ ist (www.babyfreundlich.org), erhöht den Oxytocin-Spiegel. Bei stillenden Frauen sind sowohl der Oxytocin- als auch der Prolaktinspiegel höher, Stillen führt dadurch zu einer Verminderung der physiologischen Stressreaktionen (1, 3).

Die wenigsten Veröffentlichungen ziehen die Unterscheidung zwischen nicht stillenden und stillenden Müttern in Betracht. Aufwendige Diskussionen über den Einfluss schwankender Hormonspiegel ignorieren die Laktation und die möglichen Schutzmaßnahmen der Natur durch hohe Prolaktin- und Oxytocinspiegel während der Stillzeit (1, 3).

Stillprobleme können ein Hinweis auf eine postpartale Depression sein. Auch eine Hypothyreose ist mit starkem „Baby Blues“ oder Müdigkeit verbunden, zusätzlich mit mangelnder Milchbildung und sollte ebenfalls ausgeschlossen werden (1).

Bezüglich der Pharmakotherapie sollte auf die 8. Auflage aus 2012 „Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit“ von Schaefer et al. aufmerksam gemacht werden. Ebenfalls sollte darauf hingewiesen werden, dass ein medikamentöses Abstillen mit Prolaktinhemmern Depressionen verstärken kann und deshalb unbedingt zu vermeiden ist. Sollte ein Abstillen notwendig sein, ist das physiologische Abstillen ohne Medikamente zu bevorzugen (2).

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0012a

Gudrun von der Ohe

Ärztin, Hamburg

Postfach@stillberatung.info

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Lawrence R: Breastfeeding. A Guide for the Medical Profession. 7th edition Maryland heights, Missouri: Elsevier, Mosby, Inc., 2011.
2.
Schaefer C, Spielmann H, Vetter K, Weber-Schöndorfer C: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit. 8th edition. München: Urban und Fischer 2012.
3.
Uvnas-Moberg K: The Oxytocin factor: Tapping the hormone of calm, love, and healing. Cambridge: Da Capo Press 2003.
4.
Hübner-Liebermann B, Hausner H, Wittmann M: Recognizing and treating peripartum depression. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(24): 419–24. VOLLTEXT
1. Lawrence R: Breastfeeding. A Guide for the Medical Profession. 7th edition Maryland heights, Missouri: Elsevier, Mosby, Inc., 2011.
2. Schaefer C, Spielmann H, Vetter K, Weber-Schöndorfer C: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit. 8th edition. München: Urban und Fischer 2012.
3. Uvnas-Moberg K: The Oxytocin factor: Tapping the hormone of calm, love, and healing. Cambridge: Da Capo Press 2003.
4.Hübner-Liebermann B, Hausner H, Wittmann M: Recognizing and treating peripartum depression. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(24): 419–24. VOLLTEXT

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