ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996Börsebius über Lebensversicherungen: Fallensteller Fiskus

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Lebensversicherungen: Fallensteller Fiskus

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Der an dieser Stelle kürzlich beschriebene Beteiligungsfonds Ost (Deutsches Ärzteblatt, Heft 14/1996) stieß auf rege Resonanz. Aber auch kritische Stimmen waren hierzu durchaus zu vernehmen: so toll sei doch die Rendite gar nicht.
Der guten Ordnung halber möchte ich daher nochmals deutlich darauf hinweisen, daß der Beteiligungsfonds Ost für Anleger mit einer hohen Steuerprogression – und soweit sie ihre Freibeträge bereits ausgeschöpft haben – eine recht gute Alternative darstellt. Das gilt erst recht, wenn die Sicherheit der Anlage bei einem erstklassigen Schuldner in Betracht gezogen wird.
Mag sein, daß der eine oder andere sich von Teilen der Presse irritieren ließ, in der gegen diese Nachfolgeform des allseits bekannten Berlindarlehens gemosert wurde. Auch die renommierte Wirtschaftswoche macht da keine Ausnahme. Sie schreibt nämlich: "Anleger, die sich nicht von der Steuerrückzahlung blenden lassen, fahren ohnehin mit einer herkömmlichen Lebensversicherung besser. Denn dabei werden sämtliche Erträge steuerfrei ausgezahlt, wenn die Laufzeit mindestens zwölf Jahre beträgt."
So weit – so falsch. Der Merksatz, daß Lebensversicherungen vom Zugriff des Fiskus dann verschont werden, wenn sie für mindestens zwölf Jahre abgeschlossen sind, gilt nur noch mit Einschränkungen! Wenn nämlich weniger als 60 Prozent der Lebensversicherungssumme im Todesfall ausgezahlt werden, hält neuerdings der Finanzminister die Hand auf und möchte an den Erträgen beteiligt werden. Hinter dieser traurigen Nachricht steckt die Tatsache, daß seit der Liberalisierung der europäischen Versicherungsmärkte die Branche eine Hetzjagd auf die Assekuranzkunden veranstaltete. Mit immer höheren Gewinnversprechungen und raffiniert gestalteten Verträgen lockten die Firmen die Kundschaft an, so zum Beispiel, daß im Todesfall nur noch ein Zehntel der Versicherungssumme ausgezahlt würde, während der weit überwiegende Rest in kapitalbildende Anlageformen gesteckt wird. Der einstige Hauptgrund der Steuerfreiheit, die Absicherung der Hinterbliebenen eben, blieb zusehends auf der Strecke. Also: Für Lebensversicherungsverträge, die nach dem 1. April 1996 abgeschlossen werden, gilt die Steuerfreiheit nur noch dann, wenn der Todesfallschutz mindestens 60 Prozent der Versicherungssumme ausmacht. Weitere Einschränkungen lesen Sie bitte im Kasten auf der ersten Seite in der Rubrik Varia nach.
Altverträge vor dieser Zeit bleiben aber so oder so steuerfrei. Wenigstens da zeigte sich Waigels Theo gnädig, wenn auch nur zögerlich. Alles andere wäre aber auch ein grober Vertrauensbruch gewesen. Börsebius
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