ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2013Chronische Hepatitis B: Leberschäden bilden sich durch Tenofovir zurück

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Hepatitis B: Leberschäden bilden sich durch Tenofovir zurück

Dtsch Arztebl 2013; 110(1-2): A-28 / B-26 / C-26

Meyer, Rüdiger

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Die fortgeschrittene Fibrose und die Zirrhose wurden bisher als irreversible Schädigungen eingestuft, da die Leber von funktionslosem Bindegewebe (Fibrose) durchzogen wird, das infolge einer Kontraktion zunehmend das übrig gebliebene Parenchym erdrückt (Zirrhose). Der nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer Tenofovir ist ursprünglich zur Behandlung der HIV-Infektion entwickelt worden, hat sich dann aber in zwei randomisierten Vergleichsstudien mit Adefovir als das effektivere der beiden Virustatika für die Behandlung der chronischen Hepatitis B erwiesen.

Nach Beendigung der beiden Studien wurde den Teilnehmern eine Weiterbehandlung mit Tenofovir für maximal sieben Jahre angeboten, 585 von ihnen nahmen daraufhin weiter Tenofovir. Bei insgesamt 348 Patienten wurde 240 Wochen nach Beginn der Weiterbehandlung erneut die Leber biopsiert: Bei 87 % dieser Patienten hatten sich die Befunde gegenüber einer ersten Biopsie vor Therapiebeginn gebessert: Bei 51 Prozent stellten die Pathologen eine deutliche Regression der Fibrose fest. 71 von 96 Patienten (74 %), die zu Beginn der Studie bereits eine Leberzirrhose (Ishak-Score 5 oder 6) hatten, wurden nun nicht mehr als zirrhotisch eingestuft. Nur bei drei von 252 Patienten, bei denen zu Studienbeginn eine Fibrose diagnostiziert worden war, entwickelte sich eine Zirrhose.

Da Tenofovir auch langfristig gut vertragen werde – nur 8 Patienten brachen die Therapie wegen unerwünschter Effekte ab –, bestehe die Hoffnung, dass die Patienten nicht an den Folgen der Erkrankung sterben, so die Autoren. Unklar ist, wie lange die Therapie fortgesetzt werden sollte, heißt es in einem Kommentar. Patienten mit einer HBeAg-positiven Hepatitis B könnten die Therapie etwa 6 Monate nach Elimination von HBeAg beenden. Bei Patienten mit HBeAg-negativer Erkrankung wäre dies eventuell nach drei bis fünf Jahren möglich.

Fazit: Die ersten Langzeitbeobachtungen zur Therapie der Hepatitis B mit Tenofovir haben ergeben, dass es nicht nur zur effektiven Inhibition der Virusreplikation, sondern häufig auch zur Rückbildung der Leberschäden kommt. Rüdiger Meyer

Marcellin P, Gane E, Buti M, Afdhal N, Sievert W, et al.: Regression of cirrhosis during treatment with tenofovir disoproxil fumarate for chronic hepatitis B: a 5-year open-label follow-up study. Lancet 2012 e-pub before print: doi: 10.1016/S0140-6736(12)61425–1. MEDLINE

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