ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2013Fritz Beske: Mahnungen zum Abschied

POLITIK

Fritz Beske: Mahnungen zum Abschied

Dtsch Arztebl 2013; 110(1-2): A-17 / B-15 / C-15

Stüwe, Heinz

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Großer Bahnhof in Kiel: Fritz Beske wurde als Direktor des Instituts verabschiedet, das sein Lebenswerk ist.

Sag’s mit Blumen: Dank für Fritz Beske und seine Frau (links), die unentgeltlich alle Veröffentlichungen des Instituts Korrektur gelesen hat. Foto: Vico
Sag’s mit Blumen: Dank für Fritz Beske und seine Frau (links), die unentgeltlich alle Veröffentlichungen des Instituts Korrektur gelesen hat. Foto: Vico

Der Satz passte zu Anlass und Person: „90 Jahre ist ein gutes Alter, um mit der Arbeit aufzuhören – im Prinzip.“ Prof. Dr. med. Fritz Beske MPH machte die Zuhörer neugierig, die sich zu seinen Ehren am 12. Dezember in Kiel versammelt hatten – zur Feier seines 90. Geburtstags und zu seiner Verabschiedung als ehrenamtlicher Direktor des Fritz-Beske-Instituts für Gesundheits-System-Forschung Kiel. Die Liste der Gäste, fast ein Who’s Who des deutschen Gesundheitswesens, steht für die Reputation Beskes und seines Instituts.

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Den Dank der Ärzteschaft für Beskes Arbeit bekundete Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer. Er schätze an dem Jubilar „den uneitlen, ruhigen intellektuellen Diskurs“. Besonders hob Montgomery Beskes Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit hervor.

Dr. Rainer Hess, der frühere unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses, würdigte Beske als klaren Denker, der geschliffen formulieren könne. „Er ist kein Freund von Worthülsen, politischen Gedankensprüngen und Utopien“. Unbeirrt mahne Beske gegenüber der Politik ein Bekenntnis zur Wahrzeit an. Hess verwies auf die im Dezember veröffentlichte „Versorgungsprognose 2060“, in der Beske der Politik erneut vorhalte, das Gesundheitswesen nicht rechtzeitig auf die Folgen des demografischen Wandels vorzubereiten. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass trotz einer bis 2060 um 17 auf 65 Millionen abnehmenden Bevölkerungszahl die Leistungsanforderungen in ambulanter und stationärer Versorgung zunehmen werden. Zu den unangenehmen Wahrheiten, die Beske nicht scheue, zählt Hess die Feststellung, dass Patienten im ländlichen Raum künftig lange Wege zurücklegen müssten, um die nächste Arztpraxis zu erreichen. Oder seine Mahnung, dass die Rationierung von Gesundheitsleistungen gesellschaftlich offen zu diskutieren sei.

Beske-typisch knapp, wie immer frei vorgetragen, fiel die Bilanz des Jubilars aus: „Was habe ich gewollt? Dass sich die Gesellschaft auf eine vorhersehbare Zukunft vorbereitet. Was habe ich erreicht? Mir war nicht vergönnt, dass eine ausreichende Zahl von Politikern als Staatsmänner über Generationen vorausdenkt.“ Aber in Deutschland werde es immer möglich sein, das Notwendige zu leisten.

Und Beske verriet, dass er noch zwei Bücher plant. Das erste – ein Ratgeber für den Bürger – mit dem Arbeitstitel: „Vorbereitet sein auf das Alter“ kommt im März. Das zweite dann einige Monate später über Beskes Generalthema: eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung bei begrenzten Mitteln.

Heinz Stüwe

37 Jahre fritz-Beske-Institut

Foto: Institut für Gesundheits-System-Forschung
Foto: Institut für Gesund­heits-System-Forschung

Es war eine der ersten deutschen Einrichtungen der Versorgungsforschung „mit revolutionärem Konzept“ (Rainer Hess): Der damalige Staatssekretär im Kieler Sozialministerium, Fritz Beske, gründete 1975 das Institut für Gesundheits-System-Forschung Kiel (IGSF). Er hat es seitdem, 37 Jahre lang, geleitet. Seit 2000 trägt das Institut Beskes Namen. Von 1984 bis 2004 war es Kollaborationszentrum der Welt­gesund­heits­organi­sation. Pate bei der Institutsgründung stand die Robert-Bosch-Stiftung, die die erste große Studie, eine Strukturanalyse des Gesundheitswesens in Schleswig-Holstein, bezahlte. 125 Bände in der institutseigenen Schriftenreihe sind seither erschienen, zuletzt die „Versorgungsprognose 2060“. Da weder ein Nachfolger für Beske noch ein neuer Träger gefunden wurde, endet die Arbeit des Instituts voraussichtlich Ende April. Seine Arbeiten bleiben als „Fritz Beske Bibliothek der Ärztekammer Schleswig-Holstein“ erhalten. Die gesundheitspolitischen Veranstaltungen zur Kieler Woche führt die Hermann-Ehlers-Akademie weiter. Auch die 1987 ausgegliederte IGSF GmbH für betriebswirtschaftliche Beratung bleibt bestehen.

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