ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2013Vorklinik: Lehrerfahrung zählt bei Berufungen
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. . . Es ist in der Tat schwierig, Mediziner für die Vorklinik zu gewinnen. Da stimmen wir Herrn Kollegen Honig zu. Seine Beschreibung der Ist-Situation („Vorklinik ohne Mediziner“) und seine Schlussfolgerungen sind aber zum Teil völlig falsch. Wir haben eine Auswertung der berufenen Professorinnen und Professoren in der Anatomie vorgenommen (C3, C4, W2, W3, ohne Emeriti oder pensionierte Professoren; Verzeichnis der Anatomischen Gesellschaft, Stand Februar 2011). 70 Prozent der Anatomieprofessoren in Deutschland sind Mediziner. Ein anderes Bild ergibt sich bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern . . . Hier sind es nur 30 Prozent, die Medizin studiert haben. In der Anatomie – und das zeigen diese Zahlen ganz deutlich – ist ein Medizinstudium eindeutig ein Karrierevorteil. Qualifikationen in Forschung und Lehre sind beruf(ung)sentscheidend. Meist ist bei Berufungen die Forschungsleistung ausschlaggebend. Es steht aber völlig außer Zweifel, dass die Lehrerfahrung bei Berufungen in der Vorklinik zunehmend wichtiger geworden ist. „Impact-Faktor- und Drittmittelhelden“ ohne Lehrerfahrung haben nur in Ausnahmefällen eine Berufungschance in der Anatomie. Die Fachgesellschaft, die Anatomische Gesellschaft, hat den Anforderungen an Lehr- und Forschungsqualifikation für ihren akademischen Nachwuchs durch eine strukturierte Weiterbildung Rechnung getragen. Mediziner wie Nichtmediziner durchlaufen eine mindestens vierjährige Weiterbildung, deren Fokus auf der Lehrqualifikation liegt. Durch die strukturierte Weiterbildung erwerben Nichtmediziner im Gegenzug Lehrqualifikationen, die häufig denen der Mediziner gleichwertig sind. Die wissenschaftliche Qualifikation kann relativ zuverlässig über Impact-Faktor und eingeworbene Drittmittel eingeschätzt werden. Von daher sind dies auch die Kriterien, die von fast allen Fakultäten deutschlandweit genutzt werden. Bezüglich der Lehre ist anzumerken, dass neuere Lehrformen in den Weiterbildungscurricula in der Anatomie berücksichtigt werden. Die Lehr-LOM als Anerkennung für gute Lehre ist mittlerweile an den meisten Medizinfakultäten in Deutschland budgetär verankert. Erfahrungen mit neuen Lehrkonzepten werden in IF-relevanten Fachzeitschriften publiziert, so dass sich ein Einsatz für gute Lehre oder neue Lehrformen publikatorisch und damit für bessere Berufungschancen lohnt.

Die meisten Hochschullehrer nutzen heute zell- und molekularbiologische Techniken. Diesen Techniken verdanken wir den hohen Wissenszuwachs der letzten Jahrzehnte. Voraussetzung war und ist jedoch die gute, originäre wissenschaftliche Fragestellung, nicht die Technik. Sie ist entscheidend – auch in Disziplinen, die andere Methoden nutzen. Gute Forschungsleistungen sind die überzeugendste Existenzberechtigung für die vorklinischen Institute in den medizinischen Fakultäten in Deutschland . . .

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Prof. Dr. med. Dr. Bernd Fischer, Institut für Anatomie und Zellbiologie, Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität, 06097 Halle

Prof. Dr. med. Reinhard Pabst, Medizinische Hochschule Hannover, 30625 Hannover

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