ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2013Vorklinik: Am Scheideweg
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Professor Honig weist zu Recht auf ein Dilemma der physiologischen Universitätsinstitute hin, vor dem die Deutsche Physiologische Gesellschaft (DPG) zu lange die Augen verschlossen hatte. Fast nur noch Nichtärzte wollen beziehungsweise sollen angehenden Ärzten die physiologischen Kenntnisse vermitteln, die sie für ihre anschließende klinische Ausbildung und Tätigkeit brauchen. Die Existenzberechtigung der humanphysiologischen Institute beruht auf der Verankerung in der Approbationsordnung. Daher werden alle Mitarbeiter für die Lehre bezahlt, was damals Max Schneider in Köln maulenden Assistenten vorhielt, wenn die sich Mitte der 60er Jahre über zu umfangreiche Praktikumstätigkeit beklagten. Max Schneider saß auf einem Lehrstuhl wie auch meine akademischen Lehrer Albert Fleckenstein und Herbert Hensel. Sie hielten viermal in der Woche ihre Vorlesung vom ersten bis zum letzten Tag der Vorlesungszeit aus einem Guss und behielten ein wachsames Auge auf das Praktikum.

Ein Memorandum zum Mangel an vorklinischer Ausbildung im physiologischen Praktikum wurde 2000 von Wortführern der DPG nicht zum Abdruck in der eigenen Zeitschrift angenommen, so dass nur noch eine Homepage-Veröffentlichung übrig blieb (Schmidt-Schönbein et al. 2001). Die Notwendigkeit von Experimenten am lebenden Objekt ergibt sich in Ergänzung zu den Ausführungen von Honig auch daraus, dass nur damit die Streuung und die nur bedingte Vorhersagbarkeit in komplexen Systemen veranschaulicht werden können. Schließlich richtet sich später im Einzelfall der Patient nicht immer nach dem Lehrbuch. Wie lange werden sich die Kliniker das noch gefallen lassen – oder gar der Gesetzgeber bei der nächsten Novelle zur Approbationsordnung –, bis schließlich die Physiologie für angehende Ärzte nur noch in Regie von Klinikern vermittelt wird?

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Prof. Dr. med. Hans-Volkhart Ulmer,
55127 Mainz-Drais

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