ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2013Vorklinik: Ärzte in der Ausbildung unverzichtbar
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. . . Das Problem betrifft nicht nur den akademischen Mittelbau und die vorklinischen Institute, sondern hat längst die Ebene der Institutsdirektoren und auch klinische Fächer erreicht. Zunehmend sind Biologen, (Bio-)Chemiker und andere Naturwissenschaftler an der Spitze von Instituten einer medizinischen Fakultät zu finden, und es stellt sich die Frage, wie jemand ärztliche Denkweise und Kompetenz vermitteln kann, der selbst kein Arzt ist. Schon mit der Berufswahl entscheidet sich schließlich der künftige Naturwissenschaftler gegen den Arztberuf und denkt vermutlich nicht daran, akademischer Lehrer von Medizinstudenten zu werden. Aber auch im späteren Berufsleben müssen Naturwissenschaftler niemals wie Ärzte denken, handeln und entscheiden. Sie kennen weder eine Arzt-Patienten-Beziehung noch die persönliche, medizinische und/oder haftungsrechtliche Verantwortung im klinischen Routinebetrieb. Wie mag der Inhalt einer Lehrveranstaltung „mit klinischem Bezug“ aussehen, wenn der Seminarleiter kein Arzt ist? Wie will jemand die Prinzipien der Blutstillung und -gerinnung vermitteln, der sich noch nie in seinem Berufsleben mit einer massiven Blutung auseinandersetzen musste?

Dieses Plädoyer für die Weitergabe von medizinischem Wissen durch Ärzte richtet sich nicht gegen die Position des Naturwissenschaftlers in der Forschung. Diese wird nicht zuletzt auch durch Medizin-Nobelpreise anerkannt. Den Instituten an medizinischen Fakultäten sollten aber Ärzte vorstehen. Wenn unser Berufsstand seine Identitätsbestimmung schon in der Phase der Ausbildung Nichtmedizinern überlässt, braucht man sich über einen Identitätsverlust im weiteren Berufsleben nicht zu wundern.

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Prof. Dr. med. Jürgen Nieder, 39114 Magdeburg

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