SCHLUSSPUNKT

Schach: Ihr letzter Zug

Dtsch Arztebl 2013; 110(1-2): [68]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Der Buchstand von Monika und Manfred Mädler ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Ärzteschachturniers. Nicht nur weil die Ärzte dort in Spielpausen alles rund ums Schach erwerben können, von Büchern über Bretter bis zu Krawatten und den herrlichen, von mir ein ums andere Mal nachgekauften Schachkarten von Paul Weber (nicht zu verwechseln mit Dr. med. Peter Weber, der geteilter Sieger des Turniers wurde, aber „nur“ herrliche Schachpartien spielt, allerdings in der NRW-Liga sogar Großmeister Vlastimil Hort auf der Schippe hatte, indes noch ins Remis entschlüpfen ließ), sondern auch weil Manfred Mädler ein unerschöpflicher und humorvoller Quell von allem Wissenswerten ist, was auch nur im Entferntesten mit Schach zu tun hat. Diesmal erfuhr ich beispielsweise, dass Beerdigungsinstitute wohl bald Sponsoren von Schachturnieren (etwa auch dem Ärzteturnier?!) sein werden, schließlich werben sie mit dem Spruch: „Bestimmen Sie Ihren letzten Zug selbst!“

Was Manfred ausnahmsweise einmal nicht wusste, dass dies durchaus schon geschah. Mitte der 70er Jahre spielte ich zweimal bei sehr starken Turnieren in Manila mit, bei denen ein höchst eigenartiges Duo als Sponsoren auftrat. Zum einen die Zigarettenfirma „Marlboro“, zum anderen eine Sterbekasse mit dem euphemistischen Namen „Loyola Life Insurance“. In gewisser Weise ergänzten sich die beiden ja prächtig. Wie heißt doch der eingängige Werbespruch: „Sterben musst du sowieso, schneller geht’s mit Marlboro!“

Wir bekamen damals alle auch ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Marlboro Grandmaster Chess Classic“. Allerdings mag man sich spätestens bei dessen Tragen seltsam vorkommen, wenn man danach wieder im heimischen Krankenhaus vor den Gefahren des Rauchens warnt.

Und selbst beim Schach sind die Zeiten vorbei, als ein in Tabakdunst gehüllter Emanuel Lasker, Weltmeister von 1894 bis 1921, sich und seine Gegner permanent umnebelte und seinen Rivalen, José Raúl Capablanca aus dem Raucherparadies Kuba, lästern ließ, dass Lasker ohne seine Zigarren wie ein hilfloses Baby sei. Ein merkwürdiges Bild, aber sei’s drum.

In einer Reklame für John-Player-Zigaretten sieht man einen umgefallenen schwarzen König mit einer ebenfalls recht eigenartigen Doppelbotschaft: „Schon gewonnen?“ und „Rauchen kann tödlich sein“. Um das Rauchen ranken sich offenbar einige Seltsamkeiten, nicht zuletzt die, dass Tabak früh von den Ärzten als wunderbares Allheilmittel gepriesen und bei Husten und Asthma (!), aber auch bei Kopfschmerz, Magenkrämpfen, Gicht und Frauenleiden eingesetzt wurde.

Tempora mutantur. Heutzutage ist bei Schachturnieren allgemein, vom Ärzteturnier ganz zu schweigen, das Rauchen verboten.

So war natürlich auch Dr. med. Jürgen Kraft in keiner Weise vom Tabakdunst inspiriert, als ihm hier als Schwarzem am Zug ein wunderschönes (Opfer-)Matt in vier Zügen gegen Dr. med. Reiner van der Valk gelang, der in diesem Fall ausnahmsweise das Opfer war und seinen „letzten Zug nicht selbst bestimmte“.

Wie kam’s?

Lösung:

Es begann mit dem Läuferschach 1. . . . Lh2+. Da dem weißen König das Fluchtfeld f1 durch den ins weiße Lager eingedrungenen Läufer e2 verwehrt war, musste er „fremdbestimmt“ ins Eck: 2. Kh1. Aber nun zwang das Springerschach 2. . . . Sg3+! den König, den „vergifteten“ Läufer mit 3. Kxh2 zu vertilgen und damit der feindlichen Dame letztendlich das Mattfeld h2 freizuräumen. Entsprechend läutete das Doppelschach (von Springer f1 und Dame c7) 3. . . . Sf1++! das Ende ein: 4. Kg1 Dh2 matt.

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