ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2013Chronische Hepatitis C: Proteasehemmer verkürzt Therapie

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Chronische Hepatitis C: Proteasehemmer verkürzt Therapie

Dtsch Arztebl 2013; 110(1-2): A-40

Warpakowski, Andrea

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Telaprevir wurde auch bei Patienten getestet, deren Vortherapie schon nach zwölf Wochen gescheitert war. Ein Drittel von ihnen konnte geheilt werden.

Mit Telaprevir steht ein zweiter Proteaseinhibitor zur Behandlung der chronischen Hepatitis-C-Infektion (HCV) bei Patienten vom Genotyp 1 in Kombination mit der Standardtherapie (Peginterferon alfa plus Ribavirin für 48 Wochen) zur Verfügung. Mit dieser Tripletherapie erreicht die Mehrzahl der Patienten ein anhaltendes virologisches Ansprechen. Bei mehr als der Hälfte der therapienaiven Patienten sowie bei Patienten mit einem Rückfall kann die Therapie sogar auf 24 Wochen verkürzt werden.

Die weiterführende Therapie nach Tripleregime variiert

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Die bisherige Standardtherapie ist nur bei etwa der Hälfte der therapienaiven und einem Drittel der vorbehandelten Patienten wirksam. Das heißt, sie erreichen sechs Monate nach Therapieende ein anhaltendes virologisches Ansprechen (SVR). Dies wird einer Heilung gleichgesetzt. Mit den HCV-Proteasehemmern würden sich die Chancen erheblich verbessern, schätzt Prof. Dr. med. Thomas Berg vom Universitätsklinikum Leipzig. Er stellte die Schemata und die Stoppregeln für die Medikation mit Telaprevir (Incivo®) vor. Danach erhalten alle Patienten zunächst zwölf Wochen lang die Tripletherapie aus

  • dreimal täglich 750 mg (zwei Tabletten à 375 mg) Telaprevir oral,
  • einmal wöchentlich pegyliertes Interferon alfa s.c. (pegIFGN) und
  • zweimal täglich gewichtsadaptiert Ribavirin oral (RBV).

Sprechen therapienaive Patienten und solche, die nach dualer Vortherapie einen Rückfall (Relapse) erlitten haben, rasch auf die Tripletherapie an (HCV-RNA negativ zu Woche vier und zwölf), benötigen sie nur noch zwölf weitere Wochen pegIFN/RBV. Mit dieser sogenannten extended Rapid Virological Response (eRVR) ist die Therapie nach 24 Wochen beendet.

Patienten ohne eRVR werden weitere 36 Wochen mit pegIFN/RBV behandelt – es sei denn, es müssen Stoppregeln beachtet werden: Liegt die HCV-RNA-Konzentration in Woche vier bei > 1 000 IE/ml, sollte wegen der Gefahr der Resistenzbildung gegen den Proteasehemmer die Tripletherapie abgesetzt werden; ist das bei Woche zwölf der Fall, muss die pegIFN/ RBV-Therapie wegen Unwirksamkeit abgesetzt werden.

Vorbehandelte Patienten mit partieller Response (Senkung der HCV-Viruslast um mindestens zwei Logstufen) und mit einer Nullresponse (bis Woche zwölf weniger als zwei Logstufen) unter einer vorherigen Standardtherapie sowie Patienten mit einer Zirrhose werden immer 48 Wochen lang behandelt – das heißt zwölf Wochen mit der Tripletherapie und anschließend weitere 36 Wochen mit pegIFN/RBV. Bei diesen Patienten gelten die gleichen Stoppregeln für Woche vier und zwölf. Ist die HCV-RNA bei Woche 24 und 36 nachweisbar, sollte dann ebenfalls die Therapie mit pegIFN/RBV abgesetzt werden.

Wegen möglichen Arzneimittel- interaktionen empfahl Berg eine sorgfältige Anamnese. Auch das Management der Hautreaktionen sei zu beachten; diese traten in Studien bei 55 Prozent der Patienten unter Telaprevir-haltigen Tripletherapie und bei 33 Prozent unter pegIFN/RBV auf, konnten aber mit einer fettreichen Creme und topischen Kortikosteroiden behandelt werden. Bei schweren Hautreaktionen sollte die Tripletherapie abgesetzt werden (Kasten). Berg wies zudem darauf hin, dass Telaprevir zur Vermeidung von Resistenzen unbedingt alle acht Stunden eingenommen werden sollen – vorzugsweise mit einem fettreichen Essen.

Grundlage der Zulassung waren drei Phase-III-Studien

In ADVANCE (1 088 therapienaive Patienten) und REALIZE (662 vorbehandelte Patienten) wurde die Telaprevir-haltige Tripletherapie mit der Standardtherapie verglichen (NEJM 2011; 364[25]: 2405–16 und 2417–28). Insgesamt 79 Prozent der therapienaiven Patienten erreichten eine SVR unter Telaprevir plus pegIFN/RBV im Vergleich zu 46 Prozent der Patienten unter pegIFN/RBV. 58 Prozent der Patienten konnten die Therapie nach 24 Wochen beenden.

Die SVR-Raten bei den vorbehandelten Patienten betrugen bei den vorherigen Relapsern 84 versus 22 Prozent, bei den vorherigen partiellen Respondern 61 versus 15 Prozent und bei den Nullrespondern 31 versus fünf Prozent. Insgesamt 65 Prozent der Relapser erreichte eine eRVR.

Die unverblindete randomisierte Studie ILLUMINATE mit 540 therapienaiven Patienten ergab, dass bei Patienten mit einer eRVR die 24-wöchige einer 48-wöchigen Telaprevir-haltigen Therapie nicht unterlegen war (NEJM 2011; 365: 1014–24).

Andrea Warpakowski

Pressekonferenz „Mehr Patienten mit Hepatitis C heilen“ in Düsseldorf; Veranstalter: Janssen-Cilag

Cave: Lyell-Syndrom

Zwei Berichte aus Japan über das Auftreten einer toxischen epidermalen Nekrolyse (eine Variante des Lyell-Syndroms) im Rahmen der Therapie mit Telaprevir (Incivo®), die in einem Fall tödlich endete, haben die US-Arzneibehörde FDA zu einer Warnung veranlasst. Sie rät dringend, den HCV-Proteaseinhibitor beim Auftreten eines Hautausschlags oder einer Verschlimmerung sofort abzusetzen.

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