ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2013Psychotherapeutische Versorgung: Neue Sitze braucht das Land

EDITORIAL

Psychotherapeutische Versorgung: Neue Sitze braucht das Land

PP 12, Ausgabe Januar 2013, Seite 1

Bühring, Petra

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Die Aussichten für das neue Jahr sind für approbierte Psychologische Psychotherapeuten, die keine Kassenzulassung haben, nicht schlecht. Mit der kurz vor Jahresende fristgerecht vorgelegten neuen Bedarfsplanungs-Richtlinie schafft der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) ab 2013 etwa 1 350 neue Zulassungsmöglichkeiten für Psychotherapeuten in ländlichen Gebieten. Dafür stellen die Krankenkassen 100 Millionen Euro bereit, extrabudgetär. In den Landkreisen Bayerns beispielsweise wird es 303 zusätzliche Praxissitze geben, in Sachsen-Anhalt 149 und in Brandenburg 120. Zum Vergleich: Für Hausärzte ergeben sich aus der neuen Bedarfsplanung 3 000 neue Praxissitze, wobei 2 000 auch bisher schon nicht besetzt werden konnten, für den allgemeinen fachärztlichen Bereich 400 bis 450 neue Zulassungen (siehe auch Artikel auf Seite 15).

„Wir haben eine zielgenaue und flexible Bedarfsplanung vorgelegt, die für eine bessere Verteilung der Versorgung in den ländlichen Bereichen sorgt, der Akkumulation von Arztdichte in den Städten aber entgegenwirkt“, sagte der unparteiische Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken, bei einer Pressekonferenz. Das bedeutet auch: Sobald ein Arzt oder Psychotherapeut in überversorgten städtischen Bereichen seinen Praxissitz abgibt, werde dieser nicht wieder besetzt. Somit würden langfristig Sitze abgebaut. Gerade im Bereich der Psychotherapie gebe es solche „Ballungen“. Auch wenn man Ärzte und Psychotherapeuten nicht zwingen könne, sich auf dem Land niederzulassen, sei dies „eine starke Steuerungsmöglichkeit“, erklärte Hecken.

Damit werden die Befürchtungen der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), dass ab 2013 die Zahl der Psychotherapeuten sinken könnte, wohl wahr. Langfristig und peu à peu werden Praxissitze in überversorgten Städten wie Freiburg, Heidelberg oder Bonn abgebaut. Ob es genau 6 000 Sitze weniger sein werden, wie die BPtK errechnet hat, sei dahingestellt. Prof. Dr. Rainer Richter spricht deshalb bei der neuen Bedarfsplanungs-Richtlinie von einer „Mogelpackung“. Versprochen worden seien „zusätzliche“ Praxen, und das hieße „zu etwas Vorhandenem hinzukommend“. Die BPtK kritisiert zudem, dass der G-BA bei den Psychotherapeuten mit den Zulassungszahlen von 1999 rechnet, als es nur knapp 13 800 Niedergelassene gab. Die G-BA-Planungen beliefen sich also auf circa 15 150 Praxen. Heute gibt es bereits 21 775 Praxen. Richter kritisierte, dass die Wartezeiten psychisch Kranker auf einen Therapieplatz so schlichtweg ignoriert würden.

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Wenig Verständnis für „die Klagen der Psychotherapeuten“ zeigte der Vertreter des GKV-Spitzenverbandes im G-BA, Dr. Thomas Uhlemann. Die Psychotherapeuten kämen „gut weg“. In Berlin gebe es mehr Psychotherapeuten (2 057) als Hausärzte (2 003). „Damit muss doch die Versorgung gewährleistet werden können.“ Seiner Ansicht nach resultieren die Wartezeiten in der Psychotherapie auch aus der fehlenden Bereitschaft, bei einer ganzen Zulassung auch voll zu arbeiten. So halten sich Vorurteile hartnäckig. Die im April 2012 vorgelegten Zahlen der KBV zum Tätigkeitsumfang von Vertragspsychotherapeuten (PP, Heft 5/2012) hatten diese Behauptung schon weitestgehend widerlegt.

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