ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2013Eckpunkte für Präventionsstrategie: Klare Rollenzuweisung für Ärzte

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Eckpunkte für Präventionsstrategie: Klare Rollenzuweisung für Ärzte

PP 12, Ausgabe Januar 2013, Seite 18

Gerst, Thomas

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Die Koalition will noch in diesem Jahr mit einer Präventionsstrategie deutliche Akzente setzen. Prävention wird als zentrale Aufgabe ärztlichen Handelns benannt.

Ratgeber: Im Rahmen der Primärprävention soll der Arzt frühzeitig auf gesundheitliche Risikofaktoren aufmerksam machen. Foto: Caro
Ratgeber: Im Rahmen der Primärprävention soll der Arzt frühzeitig auf gesundheitliche Risikofaktoren aufmerksam machen. Foto: Caro

Nach zwei gescheiterten Anläufen zu einem Präventionsgesetz unter den vorherigen Bundesregierungen haben sich die Koalitionsparteien in der letzten Bundestags-Sitzungswoche des Jahres 2012 auf „Eckpunkte zur Umsetzung des Koalitionsvertrags für eine Präventionsstrategie“ verständigt. Anders als zuvor soll es diesmal kein eigenständiges Gesetz geben. Stattdessen soll der Gedanke der Prävention in den bestehenden Strukturen der Gesundheitsversorgung verankert werden. An konkreten Maßnahmen ist insbesondere vorgesehen, mehr Geld für die Prävention zur Verfügung zu stellen und das Aufgabenspektrum der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu erweitern.

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Die BZgA wird demnach als „Nationales Zentrum für Prävention und Gesund­heits­förder­ung“ zusätzlich zu ihrem bisherigen Tätigkeitsspektrum eine Vielzahl neuer Aufgaben in der Prävention übernehmen. Die Bundeszentrale soll unter anderem Leitfäden und Fortbildungsmodule für Medizinische Fachangestellte sowie Haus- und Kinderärzte entwickeln, Lehr- und Lernmaterial zu den Themen psychische Gesundheit, Medienkompetenz, Bewegungsförderung und Ernährung erstellen, die Impfberatung und das Impfmanagement in den Arztpraxen unterstützen oder die Koordination bei „Gesund­heits­förder­ung und Prävention im Alter“ übernehmen.

Ärzte übernehmen Aufgabe als Präventionslotse

Ausdrücklich wird in den Eckpunkten die zentrale Rolle der Ärzte bei der Umsetzung präventiver Strategien betont. Insgesamt müsse Prävention stärker noch als bisher als integraler Bestandteil des ärztlichen Tuns gelebt werden. Ärzte hätten, heißt es dort, „durch ihre bevölkerungsgruppenübergreifende Erreichbarkeit besonders gute Möglichkeiten, die Menschen zu motivieren und die Wahrnehmung wirksamer präventiver Angebote zu verbessern“. Nicht zuletzt wegen dieser Zuschreibung präventiver Aufgaben beurteilt Rudolf Henke, im Vorstand der Bundes­ärzte­kammer zuständig für Prävention, die Eckpunkte positiv: „Lange Zeit ist es geleugnet worden, dass die Ärzte eine spezielle Rolle in der Gesund­heits­förder­ung und Primärprävention spielen sollen. Wenn sie jetzt sogar eine Beratungs- und Steuerungsfunktion hinsichtlich primärpräventiver Angebote erhalten sollen, dann ist das doch ein sehr beträchtlicher Vertrauensbeweis.“ So sehen die Eckpunkte etwa vor, dass auf der Grundlage der präventionsorientierten Untersuchung eine ärztliche Präventionsempfehlung ausgestellt werden kann; diese ist von der Krankenkasse bei der Entscheidung, ob sie die Teilnahme an einem Präventionskurs finanziell unterstützt, zu berücksichtigen.

Henke hielte es für verfehlt, nun sofort in die Diskussion um eine angemessene Honorierung dieser Leistung einzusteigen. „Dass am Ende Leistungen, die nachhaltig erbracht werden sollen, eine Finanzierung brauchen, versteht sich doch von selbst“, betont der Präsident der Ärztekammer Nordrhein gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Man muss das zunächst als ein Investment der Ärzte in den Bereich der Primärprävention ansehen, in dem ihnen bislang vom Gesetzgeber noch keine Aufgaben zugewiesen waren.“

Auch Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), beurteilt die Eckpunkte positiv. „Die niedergelassenen Ärzte nehmen schon jetzt bei der Prävention eine entscheidende Stellung ein. Nach unseren Vorstellungen sollten sie noch stärker die Rolle des Präventionslotsen übernehmen.“ Feldmann verwies in diesem Zusammenhang auf das von der KBV im Mai vorgestellte Konzept zum Präventionsmanagement.“

Thomas Gerst

@Die Eckpunkte für eine Präventionsstrategie im Internet:
www.aerzteblatt.de/1312

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