ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2013Sexueller Kindesmissbrauch: Maßnahmen reichen noch nicht

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Sexueller Kindesmissbrauch: Maßnahmen reichen noch nicht

PP 12, Ausgabe Januar 2013, Seite 19

Bühring, Petra

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Der Missbrauchsbeauftragte zieht eine gemischte Jahresbilanz: Die Betroffenen warten immer noch auf finanzielle Hilfen, das gesellschaftliche Klima aber wandelt sich.

Für Missbrauchsbetroffene ist in diesem Jahr zu wenig erreicht worden“ – so lautet die Bilanz des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, am 6. Dezember 2012 in Berlin. Ein Jahr nach dem Ende des Runden Tisches und ein Jahr nach seinem Amtsantritt „erschüttert Kindesmissbrauch nach wie vor täglich unsere Gesellschaft“, so Rörig. Gleichzeitig warteten die Betroffenen nach wie vor auf angemessene Hilfen.

„Bis heute haben die Betroffenen keine Sicherheit, dass sie die Hilfen aus dem 100-Millionen-Euro-Fonds bekommen“, kritisierte Rörig. Vor einem Jahr wurde der Fonds vom Bundesfamilienministerium, dem Bundesjustizministerium und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung angekündigt. Die Länder sollten sich zur Hälfte daran beteiligen. „Das Schweigen der Politik, der Bundesregierung und der Bundesländer ist für die Betroffenen unerträglich“, erklärte Rörig. „Für mich ist nicht transparent, woran es hakt.“

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Sofortigen gesetzlichen Handlungsbedarf sieht der Missbrauchsbeauftragte auch im Hinblick auf das Gesetz zur Stärkung der Rechte der Opfer sexueller Gewalt (StORMG). „Das Gesetz muss noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden, damit es nach den Wahlen nicht wieder völlig neu aufgerollt werden muss.“

Rörig zeigte sich bei der Pressekonferenz zu seiner Jahresbilanz dennoch „vorsichtig optimistisch“. „Ich empfinde Erleichterung darüber, dass über Missbrauchsfälle inzwischen gesprochen wird, weil sich das gesellschaftliche Klima verändert hat.“

Weiter forderte der Missbrauchsbeauftragte die Länder und Kommunen auf, endlich die Fachberatungsstellen zu stärken. „Die Beratungsstellen brauchen dringend finanzielle Absicherung und eine ausreichende Personalausstattung.“ Daneben forderte Rörig, Versorgungslücken in ländlichen Regionen zu schließen sowie mehr spezialisierte Angebote für betroffene Jungen, Behinderte und Migranten zu schaffen.

Ein eigener Rechtsanspruch auf Beratung von Kindern und Jugendlichen sowie ein leichterer Zugang zu Psychotherapien und Beratungsangeboten waren auch zentrale Forderungen von zwei öffentlichen Anhörungen im Rahmen der Reihe „Dialog Kindesmissbrauch“. Dabei stellten Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband Rahmenempfehlungen vor, wie die Versorgung der Betroffenen verbessert werden kann (siehe: „Therapieplätze dringend gesucht“ in PP, Heft 11/2012). Auf die Umsetzung der Rahmenempfehlungen will der Missbrauchsbeauftragte „ein Auge halten“.

Petra Bühring

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