ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2013Mobbing am Arbeitsplatz: Distanzieren, verstehen, entscheiden, handeln

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Mobbing am Arbeitsplatz: Distanzieren, verstehen, entscheiden, handeln

PP 12, Ausgabe Januar 2013, Seite 31

Koch, Joachim

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Nach den gängigen Klassifikationssystemen ist Mobbing keine eigenständige Diagnose. Mobbingpatienten erhalten im häuslichen Umfeld überwiegend keine Unterstützung. Die Autoren haben langjährige Erfahrung in der Behandlung von Mobbingopfern und bieten in diesem Buch ein Therapiemanual mit vielen praktischen Inhalten, die gut verständlich erläutert werden.

Die Therapie umfasst vier Phasen (Distanz, Verstehen, Entscheiden, Handeln), die nacheinander abgearbeitet werden. Zu jeder Therapiephase beschreiben die Autoren Therapiebausteine, die nach Wahl angewendet werden können, um die Ziele der einzelnen Phasen zu erreichen. In der ersten Phase (Distanz zum Mobbinggeschehen herstellen) ist es wichtig, dass die Mobbingpatienten lernen, sich gedanklich von der Belastungssituation zu lösen. Den Patienten ist die Hoffnung zu vermitteln, dass sich ihre Situation bessert. In der zweiten Phase (Verstehen) wird ein individuelles Störungsmodell erarbeitet. Das Mobbingopfer soll die Mobbingsituation verstehen wie auch die Vorgänge in der Institution, das Verhalten der beteiligten Mobber sowie die Eigenanteile. Diese individuelle Verhaltensanalyse ist die Voraussetzung für die weitere Therapie mit ihrer Entwicklung von Therapiezielen. Ein produktives Verstehen der Hintergründe des Mobbinggeschehens ist oft behindert durch ein grüblerisches Gefangensein des Patienten durch das Mobbinggeschehen. Hilfreich ist die Thematisierung der Beteiligung der Organisation und ihrer Mitarbeiter, bevor Aspekte der Eigenbeteiligung der Mobbingpatienten angesprochen werden.

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In der dritten Phase wird mit dem Patienten an der Entscheidung für seine berufliche Zukunft gearbeitet. Wesentlich ist hier die Frage, ob eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz möglich oder eine Versetzung beziehungsweise ein Ausscheiden aus der Organisation notwendig ist. In der letzten Therapiephase wird angestrebt, dem Patienten Fähigkeiten zu vermitteln, um die Therapieziele umzusetzen und die Mobbingproblematik zu bewältigen. Weitere Selbstsicherheit soll aufgebaut und Ressourcen sollen gefestigt werden. 23 Arbeitsblätter können als Online-Materialien von der Homepage des Verlags heruntergeladen werden. Joachim Koch

Josef Schwickerath, Moritz Holz: Mobbing am Arbeitsplatz. Trainingsmanual für Psychotherapie und Beratung. Beltz, Weinheim 2012, 160 Seiten, gebunden, 32,95 Euro

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