ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2013Zutaten zur Weinklärung als potenzielle Allergene
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Als potenzielle Allergene können auch Proteine und Zutaten zur Weinklärung genannt werden: Fischgelatine oder Hausenblase, Hühnerei-Eiweiße (Ovalbumin), Milch(Kasein)-Erzeugnisse, Gummi arabicum, Lysozym, Pektinase, Cellulase, Glucosidase, Urease und Aromaenzyme (1). Des Weiteren spielen Schimmelpilze, insbesondere Botrytis cinerea, der für die Edelfäule der Trauben verantwortlich ist, sowie Proteine aus Insekten (zum Beispiel Wespen- und Bienengift), die bei der Traubenpressung die Maische kontaminiert haben, eine nicht zu unterschätzende allergische Rolle (1, 2).

Auslöser für pseudoallergische Intoleranzreaktionen wie Kopfschmerzen oder Migräne nach dem Genuss von Rotwein können ferner die in der Haut von Weintrauben befindlichen phenolischen Flavonoide (Anthozyanidine und Catechine) sein, weil diese die Catechol-O-Methyltransferase in der Darmwand hemmen und die Phenolsulfontransferase inhibitieren. Andere nichtorganische Inhaltsstoffe wie der Ethanolmetabolit Acetaldehyd und Essigsäure tragen ebenfalls eine Mitverantwortung für eine Weinunverträglichkeit – häufig in Form einer Urtikaria (1).

Die von den Autoren beobachtete Unverträglichkeit gegenüber Alkohol allgemein wird durch eine repräsentative Umfrage bei Erwachsenen (4 142/6 000 = 70,7 % Responder) in Kopenhagen untermauert, die eine Prävalenz von Hypersensitivitätsreaktionen nach Alkoholgenuss (insbesondere Rotwein) von rund 8 % ergab (3).

In Bayern beispielsweise müssen zur Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgrenzen an Schwefeldioxid alle Qualitätsweine mit Prädikat vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersucht werden. Zum vorbeugenden Verbraucherschutz gegen Intoleranzreaktionen auf Sulfite wäre diese staatliche Qualitätsweinprüfung neben der amtlichen Prüfnummer auch für andere Bundesländer wünschenswert.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0039a

Dr. oec. troph. Martin Hofmeister

Verbraucherzentrale Bayern e.V., Referat Lebensmittel und Ernährung,
München

hofmeister@vzbayern.de

Interessenkonflikt
Der Autor ist bei der Verbraucherzentrale Bayers e.V. angestellt.

1.
Wüthrich B: Weinallergien und -intoleranzen. Allergologie 2011; 34: 427–36.
2.
Armentia A, Pineda F, Fernández S: Wine-induced anaphylaxis and sensitization to hymenoptera venom. N Engl J Med 2007; 357: 719–20. CrossRef MEDLINE
3.
Linneberg A, Berg ND, Gonzalez-Quintela A, Vidal C, Elberling J: Prevalence of self-reported hypersensitivity symptoms following intake of alcoholic drinks. Clin Exp Allergy 2008; 38: 145–51. MEDLINE
4.
Wigand P, Blettner M, Saloga J, Decker H: Prevalence of wine intolerance: results of a survey from Mainz, Germany. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(25): 437–44. VOLLTEXT
1. Wüthrich B: Weinallergien und -intoleranzen. Allergologie 2011; 34: 427–36.
2.Armentia A, Pineda F, Fernández S: Wine-induced anaphylaxis and sensitization to hymenoptera venom. N Engl J Med 2007; 357: 719–20. CrossRef MEDLINE
3.Linneberg A, Berg ND, Gonzalez-Quintela A, Vidal C, Elberling J: Prevalence of self-reported hypersensitivity symptoms following intake of alcoholic drinks. Clin Exp Allergy 2008; 38: 145–51. MEDLINE
4. Wigand P, Blettner M, Saloga J, Decker H: Prevalence of wine intolerance: results of a survey from Mainz, Germany. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(25): 437–44. VOLLTEXT

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