ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2013Organspendeskandal: Chirurg wegen Totschlags in U-Haft

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Organspendeskandal: Chirurg wegen Totschlags in U-Haft

Dtsch Arztebl 2013; 110(3): A-52 / B-48 / C-48

dapd; afp

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Manipulationen in Göttingen. Dem beschuldigten Arzt wird wegen versuchten Totschlags der Prozess gemacht. Foto: dapd
Manipulationen in Göttingen. Dem beschuldigten Arzt wird wegen versuchten Totschlags der Prozess gemacht. Foto: dapd

Im Göttinger Organspendeskandal hat es die erste Festnahme gegeben. Der ehemals leitende Transplantationschirurg der Universitätsmedizin Göttingen sitzt wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags in neun Fällen sowie in jeweils einem Fall der schweren Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig mitteilte.

Der 45-Jährige soll in neun Fällen bei der Meldung von Patientendaten an Eurotransplant, der zentralen Vergabestelle von Spenderorganen, bewusst wahrheitswidrige Angaben gemacht haben. Hierdurch hätten die Patienten innerhalb kürzester Zeit ein Spenderorgan zugewiesen und transplantiert bekommen. Wegen der in Deutschland bestehenden Knappheit von Spenderorganen sei davon auszugehen, so die Staatsanwaltschaft weiter, dass durch die manipulierten Daten andere Patienten, die lebensbedrohlicher erkrankt waren, kein Spenderorgan erhielten und möglicherweise aus diesem Grund gestorben seien. Der Beschuldigte solle dies zumindest „billigend in Kauf genommen“ haben.

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In einem weiteren Fall soll der beschuldigte Arzt einer Patientin eine Leber transplantiert haben, obwohl deren Leberwerte stabil waren und sie eine weitere, gefährliche Vorerkrankung hatte. Sie starb an den Folgen der Transplantation.

Auch einem anderen Patienten soll der Beschuldigte eine Leber übertragen haben, obwohl dies akut nicht erforderlich gewesen sei. Er starb ebenfalls. Im Falle einer Verurteilung droht dem ehemaligen Transplantationsmediziner eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren. dapd/afp

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