ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2013Urteil: Klar absichern
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Der Artikel über die fahrlässige Tötung eines Säuglings hat mich tief verstört und betroffen gemacht – wegen der verzweifelten Eltern, die irrwitzig ihres Kindes beraubt wurden, wegen des bedauernswerten PJ-Studenten, der sein Berufsleben mit dieser kaum tilgbaren Hypothek antritt, sowie wegen meines Sohnes, der in absehbarer Zeit auch als PJ-Student in vergleichbare Situationen hineingeraten kann. Denn der Artikel wirft auch ein Schlaglicht auf die Zustände der praktischen Ausbildung von PJ-Studenten und jungen Ärzten. PJ-Studenten sind immer noch Studenten, die tatsächlich einer besonderen Aufsicht bedürfen. Gleiches gilt natürlich auch für jeden Arzt am Anfang seiner Ausbildung, den ja faktisch nur das Stück Papier seiner Approbationsurkunde vom ehemaligen PJ-Dasein trennt . . .

Der Kommentar des Dekans aus Münster ist wenigstens ehrlich. Danach erledigen PJ-Studenten eine Vielzahl von Routineaufgaben, was übersetzt bedeutet, dass sie im Rahmen des Ärztemangels, gerade in peripheren Häusern, den Stellenplan billig auffüllen. Ich kann nur jedem PJ-Studenten und Arzt in der Ausbildung raten, sich klar abzusichern, Sachverhalte zu dokumentieren, sich wie im Straßenverkehr defensiv zu verhalten, Rat einzuholen und sich vor allem nicht zu überschätzen. Dies bedeutet kein Verharren im Schneckenhaus, denn da lernt man keine Verantwortung und erfährt keine Reifung. Es bedeutet aber, dass man sich über seine diagnostischen und therapeutischen Schritte, die Patienten und Schwestern erwarten, im Klaren sein muss und hoffentlich rasch den Instinkt entwickelt, den Erfahrenen ins Boot zu holen. Natürlich hat die letztliche Verantwortung immer auch der leitende Arzt der Abteilung . . . aber direkt und unmittelbar trifft die Katastrophe neben den Angehörigen dann einen jungen Mediziner, der damit weiterhin leben muss.

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Prof. Dr. med. Ulrich Hake, 55130 Mainz

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