ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2013Verband medizinischer Fachberufe: Mit wachsendem Selbstvertrauen

POLITIK

Verband medizinischer Fachberufe: Mit wachsendem Selbstvertrauen

Dtsch Arztebl 2013; 110(3): A-64 / B-59 / C-59

Gerst, Thomas

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Medizinische Fachangestellte üben eine anspruchsvolle Tätigkeit aus, betont deren Berufsverband. Dies sollte sich auch in einer besseren Vergütung widerspiegeln.

Die erste Verhandlungsrunde über einen neuen Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte (MFA) hat noch nicht begonnen, doch meldet der Verband der medizinischen Fachberufe (VMF) im Vorfeld bereits eine Zielmarke an, hinter der man nicht zurückbleiben will. Mit einem Anfangsgehalt von weniger als zehn Euro pro Stunde für Berufsanfänger werde man sich in der nächsten Tarifrunde nicht zufriedengeben, erklärte die erste stellvertretende Präsidentin des VMF, Gabriele Leybold, am 10. Januar in Dortmund. Nach dem aktuellen Gehaltstarif, der bis Ende März gilt, liege der Stundenlohn beim Anfangsgehalt für MFA bei 9,20 Euro. „Junge Männer und Frauen wollen heute einen Beruf erlernen, in dem sie nicht nur selbstständig arbeiten können, sondern der ihnen auch eine eigenständige Existenzsicherung ermöglicht“, betonte Leybold.

Für den neuen Gehaltstarifvertrag werde zudem eine Strukturreform der Gehaltstabelle angestrebt, die den gestiegenen Anforderungen an die MFA im Rahmen der delegierbaren Leistungen und der höheren Verantwortung im Praxisteam Rechnung tragen soll, erläuterte die für Tarifpolitik zuständige zweite stellvertretende VMF-Präsidentin, Margret Urban. Man müsse jedoch dafür sorgen, dass niemand aufgrund einer solchen Strukturreform weniger Gehalt als zuvor beziehe.

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Urban sieht es als einen großen Nachteil an, dass die Tarifregelungen für die meisten ärztlichen Arbeitgeber nicht verbindlich seien. Zwar geht sie davon aus, dass mindestens 80 Prozent der Medizinischen Fachangestellten nach Tarif bezahlt werden. Diese würden aber oft nicht in die richtige Tätigkeitsgruppe eingestuft, nach der sie eigentlich entlohnt werden müssten. „Es gibt sehr viele MFA, die, egal welche Aufgaben sie übernehmen oder wie lange sie bereits gearbeitet haben, nicht über die Tätigkeitsgruppe I hinauskommen“, kritisiert Urban. Vor allem in den neuen Bundesländern würden die MFA überwiegend unter Tarif bezahlt. Das Problem der untertariflichen Bezahlung gebe es aber etwa auch in Nordrhein-Westfalen oder in den ländlichen Regionen Bayerns.

Gemeinsam für mehr Geld von den Krankenkassen streiten

Zusätzliche Qualifikationen der MFA sollten adäquat vergütet werden, meint Urban. Geschehe dies nicht, würden etwa die fortgebildeten Praxisassistentinnen mittelfristig in solche Tätigkeitsfelder abwandern, wo sie eine deutlich bessere Bezahlung erhielten. „Sie gehen zum Beispiel in die Pflege. Dieser Trend ist bereits erkennbar. Die Frauen verdienen dort mindestens 25 Prozent mehr, das sind zwischen 300 und 500 Euro im Monat.“ Auch die in verschiedenen Hausarztverträgen vereinbarten Zuschläge für Leistungen der Praxisassistentinnen sieht Urban als nicht ausreichend an. Dort, wo solche Zuschläge gezahlt würden, bedeute dies noch lange nicht, dass diese auch eins zu eins an die MFA weitergereicht würden, kritisierte Sabine Ridder, die Präsidentin des VMF. Zu häufig gehe dieser Posten in den Betriebskosten unter. Ärzte und Medizinische Fachangestellte müssten gemeinsam mit größerem Nachdruck bei den Krankenkassen eine bessere Vergütung qualifizierter nichtärztlicher Leistung einfordern. So müsse etwa auch die Begrenzung auf unterversorgte Regionen bei der Vergütung von Leistungen, die von der Praxisassistentin im häuslichen Umfeld der Versicherten erbracht würden, wegfallen. Bei der Übernahme neuer Tätigkeiten durch die MFA gebe es noch Luft nach oben, sagte die VMF-Präsidentin, aber ohne bessere Bezahlung werde es hier nicht vorangehen. In Zeiten des Fachkräftemangels schaut sie optimistisch in die Zukunft. Denn die Ärzte müssten sich anstrengen, wenn sie qualifizierte Mitarbeiter haben wollten. Thomas Gerst

50 Jahre Verbandsarbeit

Der Verband medizinischer Fachberufe wurde 1963 als Berufsverband der Arzthelferinnen gegründet. Inzwischen vertritt er die Interessen der circa 630 000 Medizinischen, Zahnmedizinischen und Tiermedizinischen Fachangestellten sowie der angestellten Zahntechniker(innen). Der Verband hat 25 000 Mitglieder. Es gibt vier Landesverbände mit insgesamt 120 Bezirksstellen, in denen sich etwa 1 600 Berufsangehörige ehrenamtlich engagieren. Der Mitgliedsbeitrag ist nach dem monatlichen Einkommen gestaffelt von fünf Euro (unter 600 Euro) bis 13 Euro (mehr als 2 100 Euro). Als unabhängige Gewerkschaft

  • führt der Verband die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern,
  • bietet Rechtsberatung/-vertretung,
  • wirkt an der Ausgestaltung der Aus-, Weiter- und Fortbildung mit,
  • bietet eigene Fortbildungen über das Bildungswerk für Gesundheitsberufe (BIG) an
  • und leistet Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zu allen Themen, die im Zusammenhang mit den Besonderheiten dieser Fachberufe im Gesundheitswesen stehen.

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