ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2013Kardiovaskuläres Risiko bei Typ-II-Diabetes: Schon die milde Retinopathie ist ein Warnsignal

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiovaskuläres Risiko bei Typ-II-Diabetes: Schon die milde Retinopathie ist ein Warnsignal

Dtsch Arztebl 2013; 110(3): A-76 / B-70 / C-70

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Eine ausgeprägte diabetische Retinopathie ist ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Komplikationen. Der Netzhautpathologie liegen bei meist längerer Krankheitsdauer Gefäßalterationen zugrunde, die auch an größeren Gefäßen als jenen der Retina zu erwarten sind. Die Japan Diabetes Complications Study hat nun einen Zusammenhang auch zwischen frühen Stadien diabetischer Retinopathie und Gefäßleiden wie koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall belegt; für diese Assoziation gab es bislang keine eindeutigen Daten. 1 620 Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem Durchschnittsalter bei Baseline von 58 Jahren und einem mittleren HbA1c-Ausgangswert von 7,9 % wurden über bis zu 8 Jahre nachkontrolliert. In diesem Kollektiv hatten 1 141 Patienten keine diabetische Retinopathie, 412 litten an einer leichten, 67 an einer mittelgradigen nichtproliferativen diabetischen Retinopathie. Patienten mit proliferativer und schwerer nichtproliferativer Retinopathie waren definitionsgemäß nicht eingeschlossen. Die Analyse ergab, dass Diabetiker mit diesen relativ leichten Netzhautveränderungen ein um den Faktor 1,69 erhöhtes Risiko einer koronaren Herzkrankheit gegenüber Diabetikern ohne Retinopathie und ein um den Faktor 2,69 erhöhtes Risiko eines Schlaganfalls aufwiesen. Auch einzelne morphologische Charakteristika einer Retinopathie waren auf statistisch signifikante Weise mit kardiovaskulären Komplikationen assoziiert: bei Vorliegen von „Cotton-wool“-Herden war das Schlaganfallrisiko um den Faktor 2,39 erhöht; Bei retinalen Mikroaneurysmen oder Netzhautblutungen war die Wahrscheinlichkeit, im Beobachtungszeitraum eine koronare Herzkrankheit zu erleiden, um 60 % höher als bei unauffälligem Augenhintergrund.

Fazit: Augenärzte sollten bereits bei ersten diabetischen Veränderungen am Fundus ihrer Patienten den betreuenden Praktiker/Internisten/Diabetologen informieren, damit diese zur Vorbeugung beispielsweise eines Myokardinfarkts oder eines zerebralen Insults die modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren präventiv zu beeinflussen versuchen. Schon „leichte“ Manifestationen der diabetischen Retinopathie sind ein unmissverständliches Warnzeichen. Dr. med. Ronald D. Gerste

Kawasaki R, Tanaka S, Tanaka S, et al.: Risk of cardiovascular disease is increased even with mild diabetic retinopathy. Ophthalmology 2012; doi: pii: S0161–6420(12)00813–5. 10.1016/j.ophtha.2012.08.029. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema