ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2013Investmonitor der Apobank und des Zentralinstituts: Mehr Existenzgründer kooperieren

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Investmonitor der Apobank und des Zentralinstituts: Mehr Existenzgründer kooperieren

Dtsch Arztebl 2013; 110(3): A-90

Clade, Harald

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Foto: Fotolia/imageteam
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Immer mehr Ärztinnen und Ärzte, die den Sprung in die freie Praxis wagen und eine Existenz gründen, wählen Praxisformen der kooperativen Berufsausübung.

Unverändert stellen Hausärzte die größte Gruppe unter den Existenzgründern. Deren Anteil liegt jedoch deutlich unter dem Anteil der Hausärzte an allen Vertragsärzten. Dies geht aus der aktuellen Existenzgründungsanalyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) und des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) hervor. Die Datenbasis für die Analyse bilden die von der Apobank durchgeführten Finanzierungen ärztlicher Existenzgründungen in den Jahren 2010/2011.

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Danach nimmt die Bereitschaft unter den Ärztinnen und Ärzten ab, sich in einer hausärztlichen Praxis niederzulassen. Obwohl in West- und Ostdeutschland jeder zweite Vertragsarzt als Hausarzt tätig ist (West: 49,9 Prozent; Ost: 46,4 Prozent), sind es unter den Existenzgründern nur 27,7 beziehungsweise 30,3 Prozent. Die Existenzgründungspräferenzen unterstreichen einen längeren Trend: Es lassen sich weder in den Ballungszentren noch in der Fläche ausreichend Hausärzte nieder. Georg Heßbrügge, Apobank-Bereichsleiter Gesundheitspolitik: „Aus der Unausgewogenheit bei der Verteilung der Existenzgründer auf die einzelnen Fachgebiete lässt sich eine Gefahr für eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung mit Hausärzten ableiten.“

Gleichzeitig verharren die Investitionsvolumina für eine hausärztliche Praxis auf moderatem Niveau: So mussten Hausärzte in den alten Ländern für die Überführung einer Einzelpraxis in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG; früher: Gemeinschaftspraxis) im Durchschnitt 116 000 Euro (einschließlich Betriebsmittelkredit) investieren. Der Beitritt in eine BAG als zusätzlicher Partner beanspruchte ein Finanzierungsvolumen in Höhe von 131 000 Euro; der Einstieg in eine BAG (Austausch von Praxisinhabern) 139 000 Euro. Die teuerste Form der Existenzgründung war in den alten Ländern mit 161 000 Euro die Übernahme einer Einzelpraxis. Im Einzelnen zahlte der Arzt hier durchschnittlich für den Substanzwert einen Betrag von 36 000 Euro, für Neuanschaffungen 46 000 Euro, für den Goodwill (immaterieller Praxiswert; Patientenstamm) 36 000 Euro, für Bau-/Umbaukosten 8 000 Euro und für den Betriebsmittelkredit 35 000 Euro. In den neuen Ländern lag das Investitionsvolumen für eine Einzelpraxisübernahme bei 121 000 Euro.

Immer mehr Ärzte wählen Berufsausübungsgemeinschaften und kooperative Praxisformen als Möglichkeit der gemeinsamen Berufsausübung. Bundesweit entschied sich über alle Facharztgruppen hinweg fast jeder zweite Existenzgründer für eine Kooperation. In den alten Ländern ist der Trend zur Kooperation seit vielen Jahren feststellbar. In jüngster Zeit holt der Osten diesbezüglich stark auf: Innerhalb eines Jahres ist der Anteil von 25 auf 30 Prozent gestiegen. Die häufigste Form der Existenzgründung ist in West- und in Ostdeutschland die BAG.

Beliebt ist die Niederlassung in einer Kooperation vor allem in Ballungszentren und städtischen Regionen: Während im Westen 54,8 Prozent der Ärzte in Großstädten eine Kooperationsform präferierten, waren es auf dem Land nur 41,3 Prozent. Im Osten Deutschlands war die Einzelpraxis in der Stadt und auf dem Land die am häufigsten gewählte Existenzgründungsform. Dennoch wurden Kooperationen hier eher in Großstädten angestrebt (38,8 Prozent); im kleinstädtischen und ländlichen Gebieten waren es 20,6 Prozent.

Mehr als jeder zweite Arzt in den alten Bundesländern, der eine Existenz gründete, hat sich in einer Großstadt selbstständig gemacht (51,2 Prozent). In ländliche Regionen zog es lediglich jeden Fünfzigsten (2,3 Prozent). Auch in den neuen Ländern lag die Großstadt vorn bei der Wahl des Praxisstandortes (38,8 Prozent), für eine Neugründung, und für eine Praxisbeteiligung auf dem Land entschieden sich hier lediglich drei Prozent. Im Vergleich Fachärzte/Hausärzte präferierten die Fachärzte mehr die Großstadt als Niederlassungsort (West: 55,7 Prozent; Ost: 42,1 Prozent). Hausärzte hingegen wollten sich eher in ländlichen Gebieten niederlassen: „Nur“ 39,5 beziehungsweise 34,1 Prozent der Ärzte wählten die Großstadt als Praxisstandort. Der Frauenanteil unter den Existenzgründern stieg derweil weiter. Im Westen repräsentierten Ärztinnen 45 Prozent der Existenzgründer, im Osten 61,7 Prozent. Die meisten Existenzgründer sind 40 Jahre alt und jünger. Das Durchschnittsalter bei Existenzgründung liegt im Westen bei 41,4 und im Osten bei 40,6 Jahren.

Dr. rer. pol. Harald Clade

@Grafiken zur Investitionskostenanalyse unter: www.aerzteblatt.de/1390

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