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Der Leserbrief des Kollegen Bauß gibt Gelegenheit, die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Hypnotherapie und Hypnoseforschung für eine verbesserte Arzt-Patienten-Kommunikation anzusprechen. Worte und nonverbale Signale wirken nämlich nicht nur über Erwartungshaltung und Konditionierung, wie aus der Placebo-/Nocebo-Forschung bekannt, sondern auch direkt als Suggestion, das heißt durch die Auslösung und das Ansprechen starker innerer Bilder. So erklärt sich zum Beispiel die negative Wirkung des gut gemeinten Satzes „Sie brauchen keine Angst zu haben!“ vor allem aus dem starken Wort „Angst“ und der Tatsache, dass in dem natürlichen Trancezustand, der bei Patienten in medizinischen Situationen oder im Zahnarztstuhl häufig feststellbar ist, Suggestionen verstärkt wirksam sind, während Verneinungen und Verkleinerungsformen kaum wahrgenommen werden. Auch der Zeitpunkt des Arzt-Patient-Gespräches spielt eine Rolle: Die negativen Suggestionen einer medizinischen Aufklärung wirken am Vorabend einer Operation, wenn die Angst des Patienten und die Suggestibilität am höchsten sind, besonders stark. Das Ausmaß der Wirkung von negativen Suggestionen ergibt sich wesentlich aus dem Kontext, das heißt aus der Lebensgeschichte (inklusive Vorerfahrungen im medizinischen System) des Patienten und aus der (positiven oder negativen) Qualität der therapeutischen Beziehung.

Die erwähnte Publikation basiert auf Fällen aus der Praxis. In diesem Sinne möchten wir die Leser des Deutschen Ärzteblattes dazu anregen, uns weitere Beispiele für negative Suggestionen im medizinischen Alltag und gegebenenfalls auch für bessere Formulierungen zu schicken. Ihre Beispiele können wir in Kommunikationstrainings von Ärzten nutzen. Diese Seminare haben bereits in einzelnen Kliniken und Zahnarztpraxen einen anhaltenden Prozess der Aufmerksamkeit für negative Suggestionen und die Entwicklung einer ärztlichen Kommunikation, die unspezifische positive Wirkfaktoren fördert, in Gang gesetzt.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0058b

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Ernil Hansen

Klinik für Anästhesiologie

Universitätsklinikum Regensburg

Ernil.Hansen@klinik.uni-regensburg.de

Interessenkonflikt

Prof. Hansen erhielt Forschungsgelder von der Firma Sorin, Italien.

1.
Häuser W, Hansen E, Enck P: Nocebo phenomena in medicine: their relevance in everyday clinical practice. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(26): 459–65. VOLLTEXT
1.Häuser W, Hansen E, Enck P: Nocebo phenomena in medicine: their relevance in everyday clinical practice. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(26): 459–65. VOLLTEXT

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