Medizin

Kasuistik

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 1/2013: 29

Geddert, Helene

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Eine 58-jährige Frau mit esoterischer Grundhaltung hat bisher in ihrem Leben bewusst keine ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Seit mehreren Monaten bemerkt sie eine schuppende Hautveränderung an ihrer rechten Brustwarze, die teilweise auch juckt oder nässt. Trotz Anwendung verschiedener Salben und Tinkturen wird die Läsion langsam größer, so dass sie sich schließlich zu einem Arztbesuch durchringt.

Der Allgemeinmedizinerin (mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren) bietet sich der Befund von Bild 1. In der Tastuntersuchung beider Brüste und der Achselhöhlen werden keine Knoten oder andere Auffälligkeiten gefunden. Erst nach längerer Überzeugung willigt die Patientin in eine Stanzbiopsie der Haut (Punchbiopsie) ein. Die dringend angeratene Röntgenaufnahme der Brustdrüse (Mammographie) lehnt sie aus Furcht vor der Strahlenbelastung aber kategorisch ab. Bild 2 zeigt den histologischen Befund.

Veränderungen der Brustwarze
Veränderungen der Brustwarze
Bild 1
Veränderungen der Brustwarze
Die Pfeile zeigen die intraepidermalen Zellen eines Mammakarzinoms.
Die Pfeile zeigen die intraepidermalen Zellen eines Mammakarzinoms.
Bild 2
Die Pfeile zeigen die intraepidermalen Zellen eines Mammakarzinoms.

Auflösung

Das histologische Bild zeigt einen Morbus Paget der Mamille. Das heißt, Zellen eines Mammakarzinoms wachsen entlang der Milchgänge aus der Brustdrüse heraus und in die Haut ein. Hier breiten sie sich „horizontal“ innerhalb der Epidermis aus. Dadurch entsteht ein ekzemartiges Bild.

Hintergrund

Erst nachdem sie über den histopathologischen Befund aufgeklärt wurde, willigt die Patientin in eine Mammographie ein. Diese zeigt retromamilläre Mikroverkalkungen, die typisch für ein duktales Carzinoma-in-situ (DCIS), also ein nichtinvasives Mammakarzinom sind. Erst nach mehreren Gesprächen kann sich die Patientin zu der empfohlenen Brustoperation entscheiden. Der histopathologische Befund ergibt hier ein 2,5 cm großes retromamilläres DCIS ohne invasiven Anteil. Das DCIS wurde samt Morbus Paget vollständig reseziert.

Merke

Ein Morbus Paget der Mamille ist buchstäblich nur die Spitze des Eisberges!

Priv.-Doz. Dr. med. Helene Geddert, St.-Vincentius-Kliniken Karlsruhe

Veränderungen der Brustwarze
Veränderungen der Brustwarze
Bild 1
Veränderungen der Brustwarze
Die Pfeile zeigen die intraepidermalen Zellen eines Mammakarzinoms.
Die Pfeile zeigen die intraepidermalen Zellen eines Mammakarzinoms.
Bild 2
Die Pfeile zeigen die intraepidermalen Zellen eines Mammakarzinoms.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema