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Interview: „Wir müssen die Curricula updaten “

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 1/2013: 20

Hillienhof, Arne

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Die Qualität der Lehre flächendeckend verbessern soll das neue bvmd-Projekt „Ausbildungsforschung und curriculäre Entwicklung“. Denn noch unterscheiden sich Inhalte und Methoden an den Fakultäten stark voneinander. Studieren.de sprach dazu mit Hormos Salimi Dafsari aus Köln.

Hormos Salimi Dafsari, Bundeskoordinator für Ausbildungsforschung, 9. Semester, Köln. Foto: privat
Hormos Salimi Dafsari, Bundeskoordinator für Ausbildungsforschung, 9. Semester, Köln. Foto: privat
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Stichwort „curriculäre Entwicklung“: Was stört Sie eigentlich derzeit an den Lehrplänen?

Dafsari: Ein Hauptproblem ist, dass viele von ihnen einen überholten Stand der Medizin widerspiegeln, die Curricula haben neue Entwicklungen nicht aufgegriffen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Die Neurologie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr etabliert und ist deshalb auch beim Examen das Fach mit den zweihäufigsten Fragen. Viele Lehrpläne haben das aber noch nicht umgesetzt und räumen dem Fach viel zu wenig Platz ein. Ähnliches gilt natürlich auch für andere Fächer. Es geht also darum, die Curricula so zu updaten, dass die Studierenden lernen können, was sie wirklich brauchen – im Examen und danach im Beruf.

Halten Sie die Lehrpläne durchweg für modernisierungsbedürftig?

Dafsari: Aber nein, an vielen Fakultäten gibt es neue Curricula, die sehr gut sind. Wichtig ist aber eine flächendeckende strukturierte Weiterentwicklung der Lehrpläne, einzelne herausragende Leuchttürme sind zwar gut, genügen aber nicht. Wir erfassen das gerade . . .

Wie das?

Dafsari: Mit einer Umfrage unter Medizinstudierenden. Mit 13 Fragen wollen wir unter anderem ermitteln, für wie nützlich die Studierenden das in den jeweiligen Fächern vermittelte Wissen für den ärztlichen Alltag einschätzen. Außerdem wollen wir wissen, wie viele Stunden die einzelnen Fächer unterrichtet werden sollten, dabei geht es um theoretischen und praktischen Unterricht. Außerdem geht es darum, wie gut die Lehre auf die Prüfungen vorbereitet. Die Ergebnisse der Umfrage werden in den kommenden Wochen erscheinen.

Wie wollen Sie Verbesserungsvorschläge umsetzen?

Dafsari: Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass die Fakultäten bei der Lehre enger zusammenarbeiten und jeweils für sich anpassen und übernehmen, was sich anderswo bewährt hat. Dafür sollte es einen festen strukturellen Rahmen geben. Einige Fakultäten überdenken bereits alternative Stundenverteilungen, in denen beispielsweise die Relevanz der einzelnen Fachgebiete im klinischen Alltag anstelle von finanziellen oder historischen Gegebenheiten als Berechnungsgrundlage für die jeweiligen Lehranteile dient. Das ist der richtige Ansatz!

Sie sagten oben, die Überalterung der Lehrpläne sei nur EIN Problem . . .

Dafsari: Richtig, es gibt nämlich mehrere. Ein weiteres ist, dass viele Fakultäten bei der Umsetzung neuer didaktischer Konzepte sehr zurückhaltend sind.

Was wünschen Sie sich?

Dafsari: Viele Studierende hätten riesige Vorteile, wenn die Fakultäten neue technische Möglichkeiten zum Beispiel beim eLearning flächendeckend umsetzen würden. Bislang gibt es einige herausragende Beispiele, aber in der Breite fehlt es daran noch.

Das Gespräch führte Dr. med. Arne Hillienhof.

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