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Studium: Ausland

Studieren im Ausland: Spitzenmedizin mit einer Portion Exotik

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 1/2013: 10

Schmitt-Sausen, Nora

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Eindrücke in nichtwestlichen Regionen sind ganz besondere. Trotzdem: In der Medizin ticken selbst entfernte Länder oft gar nicht so anders, als man denkt. 6. Teil: Thailand

Fotos: privat, iStockphoto (4), Fotolia/Pius Lee
Fotos: privat, iStockphoto (4), Fotolia/Pius Lee

Thailands Millionenmetropole Bangkok. Laut, voll, hektisch, heiß. Einfach anders. Doch so anders dann doch wieder nicht. Thailands Gesundheitssystem ist im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern fortschrittlich. Große Reformen haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass heute gut 70 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einer staatlich finanzierten Gesundheitsversorgung haben. Das System hat sicherlich seine Tücken, doch die Strukturen sind gut. Zumindest in Metropolkrankenhäusern, wie dem Ramathibodi Hospital Bangkok, einer Universitätsklinik. Dort absolvierte Michael Maring, 25, im vergangenen Jahr eine vierwöchige Auslandsfamulatur, Fachrichtung Anästhesie. Der Göttinger Medizinstudent war vor allem von einem beeindruckt: der perfekten Ausstattung der Klinik und der intensiven Betreuung der Famulanten.

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„Die Ausstattung in den OP-Sälen entsprach westlichem Standard, war absolut mit Deutschland vergleichbar. Man hat überhaupt nicht gemerkt, dass man in Thailand ist. Damit habe ich nicht gerechnet.“ Auch das tägliche Arbeitsprogramm ähnelt dem deutschen Alltag: Patientenannahme, venöse Zugänge legen, intubieren, Patientenmanagement. Alles stets in Begleitung des betreuenden Oberarztes und zweier Assistenzärzte. Allerdings: Das Patientenaufkommen in der Metropole Bangkok ist hoch, es wird „nacheinander wegoperiert“, berichtet der Deutsche. Nachfragen und probieren sei jedoch in der Klinik jederzeit willkommen gewesen. „Wenn man will, darf man“, lautete das Motto. Manchmal seien die thailändischen Ärzte in ihrer Experimentierfreude so offen und freizügig gewesen, dass es Maring „krass“ vorkam.

Neben der praktischen Arbeit am Patienten legte das Medizinerteam an der Klinik in Bangkok viel Wert auf die theoretische Weiterbildung der Studenten. Es gab tägliche Lern- und Übungseinheiten, zum Beispiel an einer Puppe. Und auch dabei stand der Oberarzt den Studenten zur Seite, begutachtete die Arbeit, korrigierte und gab Tipps. Dass sich ein Oberarzt so viel Zeit nimmt, kennt Maring aus Deutschland nicht. Er resümiert: „Die Lehre wird in Thailand großgeschrieben. Das Verständnis ist ein anderes als bei uns.“ Allerdings weiß Maring auch: Als ausländischer Medizinstudent genießt man in Thailand eine Art Sonderstatus, bekommt viel Aufmerksamkeit. Der Umgang der asiatischen Kollegen untereinander sei dagegen manchmal gewöhnungsbedürftig gewesen.

Maring absolvierte seinen Aufenthalt als Austauschstudent der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Das heißt: Sein Aufenthalt war von A bis Z durchorganisiert. Dazu gehörte auch, dass er vor Ort während der gesamten Zeit einen festen Ansprechpartner hatte. „Die Kontaktperson hat die ausländischen Studenten in der Klinik vorgestellt, uns das Wohnheim gezeigt und Reisetipps gegeben. Man war super betreut.“

Nur auf den ersten Blick scheint die Sprache eine große Hürde zu sein. Doch diese Ängste kann Maring Interessierten nehmen: „Die meisten Ärzte und auch das Pflegepersonal sprechen gut Englisch. Sie sind selbst zurückhaltend, weil sie sich im Umgang mit der Sprache unsicher fühlen. Man braucht also keine Hemmungen beim Sprechen zu haben.“

Gerade die Andersartigkeit Thailands war es, die Maring gereizt hat. „Ich wollte in einem exotischen Land famulieren. Von Thailand hatte ich viele positive Berichte gehört, also habe ich es hier versucht.“ Man brauche sicherlich seine Zeit, um zu verstehen, wie Asiaten ticken. Aber die Freundlichkeit der Thais mache es Fremden leicht. In puncto Wissensvermittlung und Lerneffekte kann Maring einen Aufenthalt in Asien uneingeschränkt empfehlen. Als Arzt arbeiten möchte er in Thailand aber nicht. „Die Thailänder kennen kein Wochenende, sie arbeiten durch. Das ist sicher nicht meine Vorstellung.“

Maring weiß, dass es nicht in allen Kliniken Thailands so aussieht wie in der Uniklinik von Bangkok. In vielen kleineren Krankenhäusern fehlt es oft gar an der Grundausstattung. Doch selbst Deutschland könne sich von dem asiatischen Land noch etwas abschauen, glaubt Maring. Im oft vollen Wartesaal der Ambulanz der Uniklinik sorgen Sänger, Live-Bands und Komödianten für eine Art Entertainment-Programm. „So etwas auf deutschen Krankenhausfluren, das wäre doch mal eine witzige Sache.“ Nora Schmitt-Sausen

Fernweh? Die fünf wichtigsten Punkte

1. Welcher Exot darf es sein?

Wer den Wunsch verspürt, für Famulatur und Co. in fremde Regionen vorzustoßen, für den ist es ratsam, sich über bestehende Austauschprogramme zu bewerben. Erfahrungsberichte anderer Studenten helfen bei der Auswahl, etwa unter: www.bvmd.de.

2. Bewerbungsanforderungen und -fristen

Organisierte Austauschprogramme haben in der Regel feste Bewerbungsfristen. Im Fall der bvmd ist die Bewerbung zweimal im Jahr möglich: 15. Juli und 15. Dezember.

3. Kosten

Über ein Austauschprogramm oder Stipendienmodell in die Ferne zu gehen, hat noch einen weiteren Vorteil: Die Kosten bleiben überschaubar. Michael Maring zahlte 100 Euro für die Teilnahme am Programm. Unterkunft im Studentenwohnheim und ein Teil der Verpflegung waren inklusive. Von der bvmd gab es außerdem einen Fahrtkostenzuschuss von 325 Euro. Grundsätzlich: Die Lebenshaltungskosten im asiatischen Raum sind vergleichsweise niedrig.

4. Besondere Einreisebedingungen

Aufenthalte in exotischen Gebieten können aufwendiger sein als innerhalb Europas. Auf den To-do-Zettel gehören Stichworte wie Auslandskrankenversicherung, Visum und Impfungen. Für Thailand beinhalten letztere etwa einen Schutz gegen Hepatitis A und B, Typhus und eventuell eine Malariaprophylaxe. Eine gute Übersicht bietet das Internetangebot des Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de.

5. Einstimmen und verstehen

Zwischen Asiaten und Europäern gibt es gewaltige kulturelle Unterschiede. Mit diesen sollte man sich befassen, bevor man in das Land reist. Eine wichtiger Rat von Michael Maring: Thailand wird von einem König regiert, den die Bevölkerung sehr schätzt. Zum Gesprächsthema sollte man die Königsfamilie jedoch nicht machen – es ist ein Tabuthema.

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