ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2013Interview: Vermischung von Spieler und Schiedsrichter
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„Problematischer ist das Verhältnis zu den Pharmaverbänden, weil sie Interessensvertretung pointierter wahrnehmen als die Firmen, mit denen man auf sachlich fachlicher Ebene gut zusammenarbeiten kann“ ist eine der Aussagen von Prof. Windeler im aktuellen Interview des DÄ. Er variiert hier die derzeit von Vertretern der Selbstverwaltung gern bemühte These, dass das
AMNOG und die frühe Nutzenbewertung auch aus Sicht der Firmen weitgehend unproblematisch seien und nur die Pharmaverbände von alldem noch nichts mitbekommen hätten.

Eine schöne Pointe, nur leider unzutreffend.

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Es ist aber ein Verdienst des Interviews, zu verdeutlichen, dass es hier tatsächlich um verschiedene Dinge geht: Die hohe Kooperationsbereitschaft der Industrie in den einzelnen Bewertungsverfahren einerseits, aber fortbestehende grundsätzliche Probleme des Bewertungsverfahrens andererseits.

Einleitend in seinem Interview wertet Prof. Windeler: „Das Ergebnis ist besser, als viele erwartet haben.“ Diese Überraschung überrascht! Selbst der kassennahe Arzneimittelverordnungsreport identifiziert seit Jahren circa 70 Prozent der Wirkstoffe in die Kategorien A oder B nach Fricke und Klaus. Es wäre deshalb eher überraschend, wenn nicht zumindest zwei Dritteln der neuen Arzneimittel ein Zusatznutzen zugesprochen würde.

Bemerkenswert ist die Feststellung, dass das IQWiG bislang die höchste Nutzenkategorie nicht vergeben habe mit der apodiktischen Begründung: „Das ist eine ganz klare Ausnahmekategorie.“ Weder das Gesetz noch die AM-Nutzenverordnung benennen diesen Ausnahmestatus. Es ist, um im vom DÄ gemachten Bild zu bleiben, als würde die Stiftung Warentest die Kategorie „sehr gut“ praktisch nicht vergeben. Es ist an dieser Stelle zu ergänzen, dass das IQWiG auf der reinen Nutzenseite, das heißt vor Saldierung mit Schadensaspekten diese Kategorie durchaus schon mehrfach vergeben hat, dass aber der G-BA dies jeweils herabgestuft hat.

Überhaupt liegt ein grundsätzliches Problem auch gar nicht beim IQWiG: Die entscheidenden Schritte von der Beratung einschließlich der Auswahl der zweckmäßigen Vergleichstherapie bis zur Anhörung und dem Bewertungsbeschluss liegen beim G-BA und werden durch den späteren Verhandlungspartner GKV-Spitzenverband wesentlich mitgeprägt. Diese Vermischung von Spieler und Schiedsrichter ist nach den bisherigen Erfahrungen ein entscheidendes Problem.

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa – Die forschenden Pharma-Unternehmen,
10117 Berlin

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