ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2013Film: Menschliches Drama
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Ihre Autorin Adelheid Müller-Lissner verspürt Unbehagen über die fatale Konsequenz, die Regisseur Michael Haneke in seinem Film „Liebe“ zeichnet. Vielleicht hätte Müller-Lissner den Film als zutiefst menschliches Drama wirken lassen sollen und nicht als politisches Statement in einer von Hybris bestimmten Diskussion um Sterbehilfe. Vielleicht sind es aber die leisen Nebentöne, die eine Antwort darauf geben, was Haneke sich gedacht hat. Wenn die Tochter auftritt und sich aufregt, dass nicht genug getan wird, wenn die zweite Pflegekraft wegen mangelnder Empathie das Haus wieder verlassen muss – dann ahnt man, dass es eben nicht so einfach ist, mit viel Pflege und Palliation jede noch so erdenkliche menschliche Katastrophe zu beherrschen. Vielleicht geht es eben auch darum, dass Menschen wie Anne und Georges ihre Autonomie verlieren, immer mehr Menschen – zumeist in bester Absicht – in ihr Leben eindringen und die Zweisamkeit, die ihr Leben und ihre Liebe bestimmt hat, zu einem mehrköpfigen organisierten Ablauf verkommen lassen. Wo Aktionismus die Sache nur noch schlimmer macht. Und irgendwann der Moment kommt, wo nichts mehr da ist von der Liebe und dem gemeinsamen Leben, wo es nur noch ein Aushalten ist. Dann gibt es mutige Menschen wie Georges, die sich im Graubereich der Rechtslage dem Druck einer Gesellschaft, die Angst vor einer intensiven Diskussion um prolongiertes Sterben hat, weiter leben zu müssen, entgegenstellen . . .

Haneke führt uns vor Augen, dass wir uns verabschieden müssen von dem Wunsch, jede noch so furchtbare Situation kontrollieren zu können. Und manchmal Menschen, die über jeden Verdacht von niederen Motiven erhaben sind, die Entscheidungen treffen, zu denen uns die Entschlossenheit fehlt.

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Markus Wedemeyer, 27578 Bremerhaven

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