ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996Weltgesundheitstag 1996: Gesunde Städte – gesund leben

SPEKTRUM: Akut

Weltgesundheitstag 1996: Gesunde Städte – gesund leben

Vetter, Christine

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LNSLNS Zur Zeit leben rund 50 Prozent aller Menschen in einer Stadt – kurz nach der Jahrtausendwende werden es wohl 75 Prozent der Bevölkerung sein. Schon jetzt gibt es 24 Städte weltweit mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. Lärm, Hektik, Streß, Schmutz und mangelndes Grün lassen die Gesundheit der Stadtmenschen verkümmern. Soziale Isolation und Einsamkeit und der daraus oft folgende Griff zur Flasche oder die Flucht in Drogen tun ein übriges. Grund genug für die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in Genf, den diesjährigen Weltgesundheitstag unter das Motto "Gesunde Städte – gesund leben" zu stellen. Dabei handelt es sich nur scheinbar um einen Widerspruch, denn es könnte so manches getan werden, um das Leben in den Städten gesünder werden zu lassen.


Bereits 1987 hat die WHO das Projekt "Gesunde Städte" initiiert. Elf Mitgliedsstädte haben damals mitgemacht, ihre Zahl ist inzwischen auf allein 60 in Europa gestiegen, und da die Nachfrage groß war, mußten sogar nationale Netzwerke gebildet werden. Die beteiligten Städte haben sich verpflichtet, der Gesundheit Priorität einzuräumen und durch gezielte Maßnahmen und Projekte zu versuchen, die WHOKriterien zu erfüllen. Diese sehen unter anderem vor, daß saubere und sichere Lebensbedingungen von hoher Qualität geschaffen werden, eine ökologisch gut ausgewogene Umwelt inmitten eines globalen Ökosystems, das sich auf lange Sicht selbst erhalten kann, und gegenseitig sich unterstützende Gemeinschaften und Nachbarschaften. Außerdem sollen für alle Bevölkerungsgruppen die Grundbedürfnisse in bezug auf Wasser, Unterkunft, Einkommen, Sicherheit und Arbeit garantiert werden sowie ein optimales, für jeden zugängliches Maß an öffentlicher Gesundheits- und Krankheitsversorgung.


Diese Ziele muten in der heutigen Zeit der leeren Kassen utopisch an. Daß sie dennoch Ansatzpunkt für Verbesserungen sein können, zeigen konkrete Beispiele: So hat die Stadt Unna das Gesundheitsamt in zwei öffentliche Gesundheitshäuser umfunktioniert. Diese stehen von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends als öffentliche Begegnungsstätte allen Bürgern offen und geben sogar Raum für die Treffen von Selbsthilfegruppen. Das alles fordert kaum zusätzliche Gelder, sondern verlangt lediglich eine straffere Organisation und Kooperation verschiedener Institutionen. Allerdings verlangt es nach persönlichem Engagement – und daran fehlt es in der Gesellschaft wohl ebenso wie am Geld. Deshalb steht zu befürchten, daß der Slogan "Gesunde Städte – gesund leben" wohl leider doch eine Wort-hülse bleiben wird.
Christine Vetter

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