ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2013Randnotiz: Keine Spur von Nächstenliebe

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Randnotiz: Keine Spur von Nächstenliebe

Dtsch Arztebl 2013; 110(4): A-111 / B-103 / C-103

Hibbeler, Birgit

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Katholiken sind Kummer gewohnt. Bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle macht die Kirche nicht gerade eine gute Figur. Doch es gibt Momente, da sind selbst überzeugte Katholiken ratlos. So geschehen in Köln: Eine vergewaltigte Frau wurde von zwei Krankenhäusern in katholischer Trägerschaft abgewiesen. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Was war geschehen? Die 25-jährige Frau war offenbar mit K.-o.-Tropfen betäubt worden und auf einer Parkbank zu sich gekommen. Sie ging in die kassenärztliche Notdienstpraxis Köln-Nord in Nippes. Die dortige Allgemeinärztin konnte eine Vergewaltigung nicht ausschließen und wollte eine gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung veranlassen. Doch diese verweigerte man im benachbarten St.-Vinzenz-Hospital und in einem weiteren katholischen Haus. Begründung: Solche Untersuchungen seien untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und das Verschreiben der „Pille danach“ verbunden seien.

Der Träger – die Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria – hat sich mittlerweile entschuldigt. Allerdings räumte sie ein, dass in den Häusern keine Notfallkontrazeption ausgegeben wird. Ansonsten finde aber eine Versorgung statt, auch die Spurensicherung. Im besagten Fall sei es vermutlich zu einem Missverständnis zwischen Ärztin und gynäkologischer Abteilung gekommen.

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Das kann man nur hoffen. Kliniken, die Opfer sexueller Gewalt abweisen, erfüllen sicher nicht ihren Versorgungsauftrag. Von christlicher Nächstenliebe ist so ein Verhalten ohnehin weit entfernt. Darüber hinaus muss man fragen: Was ist das für eine Ethik, die einer vergewaltigten Frau die Pille danach verwehrt?

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