ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2013Kunstmessen in Köln: Eine Nische für die aktuelle Kunst

KULTUR

Kunstmessen in Köln: Eine Nische für die aktuelle Kunst

Dtsch Arztebl 2013; 110(4): A-145 / B-133 / C-133

Jaeschke, Helmut

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Die Art.Fair, die Art Cologne und die Cologne Fine Art & Antique – drei Kunstmessen in der Dommetropole

Foto: dapd
Foto: dapd

Seit 2010 findet die Messe für aktuelle Kunst Art.Fair im denkmalgeschützten Staatenhaus am Rheinpark statt und hat dort einen optimalen Standort gefunden. Zum einen ist die Messe fußläufig vom Bahnhof Köln-Deutz erreichbar, und zum anderen sind die tageslichtdurchfluteten Ausstellungshallen architektonisch sehr ansprechend. Von der Vorgabe, lediglich Kunst bis zu einem Höchstpreis von 5 000 Euro zuzulassen, hat sich die Messeleitung längst verabschiedet. Auch auf der letztjährigen Messe fand man hochpreisige Werke von Gerhard Richter, Günther Uecker oder Alex Katz. Das Vorhaben, nur Kunst aus den letzten Jahren zu zeigen, ist inzwischen ebenfalls aufgegeben worden, wobei die Leiter von Art.Fair, Walter Gehlen und Andreas Lohaus, geschickt argumentieren, die junge Künstlergeneration setze sich zunehmend mit der Kunst der Moderne auseinander und darum müssten auch diese Positionen gezeigt werden.

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Doch jüngere Künstler, die sich intensiv mit dem Informell der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts auseinandersetzen, suchte man auf der Messe vergeblich. Die starke Präsenz von Werken Ernst Wilhelm Nays, Emil Schumachers oder Fritz Winters war wohl eher einer Aufwertung der Messe geschuldet. Mit ihrem Fokus auf aktueller Kunst hat die Art.Fair ihre Nische gefunden und hebt sich damit von der im Frühjahr stattfindenden Art Cologne ab. Das vorwiegend jüngere Publikum bestätigt die Daseinsberechtigung dieser Messe.

Die Art.Fair hat ihre Nische gefunden und hebt sich von der im Frühjahr stattfindenden Art Cologne (Foto oben) ab. Eine konservativere Besucherklientel spricht die Cologne Fine Art & Antique an (Foto unten). Foto: Gerda Jaeschke
Die Art.Fair hat ihre Nische gefunden und hebt sich von der im Frühjahr stattfindenden Art Cologne (Foto oben) ab. Eine konservativere Besucher­klientel spricht die Cologne Fine Art & Antique an (Foto unten). Foto: Gerda Jaeschke

Eine ganz andere, nämlich konservativere Besucherklientel, spricht die drei Wochen später, ebenfalls im November in der Kölnmesse stattfindende Cologne Fine Art & Antique an. Aus der ehemaligen, 1970 gegründeten Westdeutschen Kunstmesse hervorgegangen, hat sie sich dem Mix von Antiquitäten, alter Kunst und Kunst der klassischen Moderne verpflichtet. Damit ist diese Messe automatisch dem Vergleich mit der unweit in Maastricht jeweils im Frühjahr stattfindenden European Fine Art Fair (TEFAF) ausgesetzt, ohne jedoch an das Format der Konkurrenz auch nur annähernd heranzureichen.

Ungefähr ein Drittel der 100 vertretenen Galerien zeigt Kunst der klassischen Moderne – die anderen widmen sich alter Kunst und Antiquitäten, Schmuck und Design. Das ist einfach zu wenig für eine Kunstmesse, die überregionale Ausstrahlung haben soll. Der Rundgang durch die Halle 11/2 war daher relativ schnell beendet, obwohl man auch auf dieser Messe interessante Entdeckungen machen konnte. Die Galerie Vömel, Düsseldorf, hatte hervorragende Arbeiten von Werner Gilles mitgebracht. Gilles, der auch von bekannten Malern wie Markus Lüpertz sehr geschätzt wird, ist bisher noch absolut unterbewertet. Ebenfalls noch Potenzial nach oben haben Arbeiten des Pop-Art-Künstlers Alan d’Arcangelo, von dem die Galerie Benden, Köln, eine großformatige Leinwand mit den für ihn typischen collagierten Straßenlandschaften anbot. Dieser Künstler steht zu Unrecht im Schatten seiner Pop-Art-Kollegen Ed Ruscha oder Roy Lichtenstein, und so war das Gemälde zu einem Preis von 65 000 Euro vergleichsweise günstig. Insgesamt aber findet man Werke von Malern der klassischen Moderne auf der Art Cologne in besserer Qualität und Quantität, und bei der alten Kunst fehlen die wichtigen internationalen Galerien, die das Bild der TEFAF in Maastricht prägen. So war der Gesamteindruck dieser Messe eher enttäuschend, als lokale Messe für alte Kunst und Antiquitäten hat sie dennoch ihr Publikum. Immerhin kamen auch diesmal 13 500 Besucher.

Dr. med. Helmut Jaeschke

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