ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2013Geriatrische Diabetiker: Alltagstauglichkeit prägt Therapie

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Geriatrische Diabetiker: Alltagstauglichkeit prägt Therapie

Dtsch Arztebl 2013; 110(4): A-147

Zylka-Menhorn, Vera

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Die VEGAS-Studie gibt Einblicke, welche Entscheidungsgründe bei geriatrischen Typ-2-Diabetikern zur Insulinisierung führen. Zugleich offenbarte die Untersuchung, dass zielgruppenspezifische Schulungsprogramme selten genutzt werden.

Welche Gründe bewegen niedergelassene Ärzte, ältere Typ-2-Diabetiker von oralen Antidiabetika auf Insulin umzustellen? Antworten auf diese Frage gibt die VEGAS-Studie (Versorgungsstudie zur Erstinsulinisierung geriatrischer Diabetiker im ambulanten Sektor): Anlass der Insulinisierung war zumeist die HbA1c-Senkung. Die Therapiewahl wurde allerdings auch durch die Umsetzbarkeit – wie Erhalt der Selbstständigkeit oder Notwendigkeit von Pflege – geprägt (Diabetologie und Stoffwechsel 2012; doi: 10.1055/s-0032- 1314513).

Multiple Begleiterkrankungen

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An VEGAS hatten bundesweit 520 Zentren teilgenommen. Von 5 061 standardisierten Fragebogen waren letztlich 4 858 auswertbar. „Die VEGAS-Studie belegt eindrucksvoll die Vielschichtigkeit geriatrischer Symptome bei Typ-2-Diabetikern, die zur erstmaligen Insulinisierung vorgesehen sind“, resümiert Studienleiter Dr. med. Andrej Zeyfang, Stuttgart.

Körperliche Beeinträchtigungen traten bei fast allen Patienten auf, sehr oft mehrere gleichzeitig. Neben den weitverbreiteten Hörproblemen (80 Prozent) hatte ein Drittel der Patienten bereits offensichtliche kognitive Defizite, und mehr als die Hälfte wurde als depressiv beurteilt. Als „physisch gebrechlich“ wurde insgesamt ein Drittel eingestuft. Begleiterkrankungen betrafen in erster Linie das Herz (72 Prozent) und zu je etwa 30 Prozent zerebrovaskuläre beziehungsweise neurologische Erkrankungen sowie Osteoarthrose.

Anlass für die De-novo-Einstellung der Patienten auf Insulin war in den meisten Fällen (66 Prozent) eine angestrebte effizientere HbA1c-Senkung. Die antidiabetische Vorbehandlung erfolgte zumeist mit Metformin (78 Prozent) beziehungsweise Sulfonylharnstoff (SH, fünf Prozent) und wurde bei fast 80 Prozent der Metformin- beziehungsweise 19 Prozent der SH-Patienten in Kombination mit Insulin fortgesetzt.

Das häufigste geplante Therapieschema war die konventionelle Insulintherapie (CT, 39 Prozent), gefolgt von der basal unterstützten oralen Therapie (BOT, 31 Prozent), der intensivierten (ICT, 20 Prozent) und der supplementären Insulintherapie (SIT, neun Prozent). Die Einstellung auf eine CT erfolgte vergleichsweise häufiger bei höherem Alter, höherem HbA1c, kognitiven Störungen oder bestehender Pflegestufe.

Die Mehrheit der Patienten erhielt nach der Umstellung ausschließlich Humaninsulin, 43 Prozent bekamen ausschließlich Analoginsulin. Fertigpens standen dabei hoch im Kurs: Mehr als 60 Prozent aller Patienten nutzten sie, Patienten mit feinmotorischen Störungen sogar zu 71 Prozent.

Bei einem Teil der Patienten (23 Prozent) erhöhte die Insulinisierung den Pflegeaufwand. „Durch eine geschickte Wahl des Therapieregimes und vor allem durch geeignete Schulungsmaßnahmen lässt sich die Selbstständigkeit des Patienten oft erhalten“, erklärt Zeyfang.

Altersgerechte Schulung

Ein überraschendes Ergebnis der Studie war für Zeyfang, dass für 64 Prozent aller Patienten eine Schulung vorgesehen war – allerdings vor allem mit Schulungsprogrammen für Menschen im mittleren Lebensalter. Das speziell für Senioren und auch insbesondere für motorisch und kognitiv eingeschränkte Personen geeignete Programm „Strukturierte Geriatrische Schulung“ war nur für sieben Prozent der Patienten geplant, obwohl selbst Patienten mit mittelschwerer Demenz davon profitieren und die Selbststeuerung der Therapie viel intensiver wahrnehmen. zyl

Die VEGAS-Studie wurde vom Zentrum für Altersmedizin des Agaplesion-Bethesda-Krankenhauses, Stuttgart, und der Berlin-Chemie AG durchgeführt.

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