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Ein CME-Artikel (1) sollte heutzutage eine evidenzbasierte Orientierung geben. Dies ist hier oft nicht gegeben. Ein Beispiel: Bei jeder knotigen Struma soll eine Calcitoninbestimmung zur Detektierung der seltenen, aber bösartigeren medullären Carcinome (MTC) – 7 % aller – durchgeführt werden.

In Deutschland gibt es 5 350 Schilddrüsenkarzinome/Jahr (RKI 2010); davon also 400 MTC-Fälle. Es versterben am Karzinom 780 pro Jahr, darunter 250 aufgrund des MTC. Dies sind extrem wenige Fälle im Vergleich zu anderen verhinderbaren Todesursachen.

400 „MTC- Fälle“ stehen rund 10 Millionen Menschen mit Knotenstruma (KS) (20 % der Erwachsenen) gegenüber, die alle eine Calcitonin-Bestimmung erhalten sollen. Dies entspricht 1 MTC-Patient zu 25 000 mit KS. Führt man Untersuchungen mit so ungünstigen Relationen von Untersuchten zu Betroffenen durch, dann kommt es – anders als bei gezielter Diagnostik – immer zu mehr falsch- als richtig-positive Befunden.

Das bedeutet: Herrmann et al. (2) finden in ihren deutschen Studien eine Häufigkeit des MTC von 0,2 %; vergleichbar international (3). Bei einer Spezifität der Calcitoninbestimmung von 95 % und 100 % Sensitivität (3) errechnet sich eine positive prädiktive Wertigkeit von 4 %. Das heißt aufgrund eines positiven Calcitonintests – selbst bei Zusatzeinsatz eines Pentagastrintests – würden 25 Personen operiert, um einem vielleicht zu helfen. Operiert werden muss, da CT und Feinnadelpunktion unsicherer als der Calcitonintest sind, also nicht zum Ausschluss dienen.

All dies wird nicht problematisiert, sondern wider internationaler Sicht (3, 4) wird der Test zur Routine empfohlen. Nun könnte man meinen, dass es jedem überlassen ist, eine „Empfehlung“ auszusprechen. In einem cme-Beitrag hat eine Empfehlung aber eine Verbindlichkeit, die nicht zu unterschätzen ist – und hier gefährlich werden kann.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0068b

Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz
Institut für Allgemeinmedizin, Heinrich-Heine-Universität-Düsseldorf
Abholz@med.uni-duesseldorf.de

Elizabeth Bandeira-Echtler, Cochrane Group für Metabolic
and Endocrine Disorders, Heinrich Heine-Universität-Düsseldorf

Prof. Dr. Johannes Köbberling, Wuppertal

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Führer D, Bockisch A, Schmid KW: Euthyroid goiter with and without nodules—diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 506–16. VOLLTEXT
2.
AACE/AME/ETA: Thyroid Nodule Guidelines, Endocr Pract 2010; 16(Suppl 1). MEDLINE
3.
Daniels GH: Screening for medulalary thyroid carcinoma with serum calcitonin measurments in patients with thyroid nodules in the US and Canada. Thyroid 2011; 21: 1199–207. MEDLINE
4.
Herrmann BL, Schmidt KW, Goerges R, et al.: Calcitonin screening and pentagastrin testing: predictive value for the diagnosis of medullary carcinoma in nodular thyroid disease. Eur J Endoc 2010; 162: 1141–5. MEDLINE
1. Führer D, Bockisch A, Schmid KW: Euthyroid goiter with and without nodules—diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 506–16. VOLLTEXT
2.AACE/AME/ETA: Thyroid Nodule Guidelines, Endocr Pract 2010; 16(Suppl 1). MEDLINE
3. Daniels GH: Screening for medulalary thyroid carcinoma with serum calcitonin measurments in patients with thyroid nodules in the US and Canada. Thyroid 2011; 21: 1199–207. MEDLINE
4. Herrmann BL, Schmidt KW, Goerges R, et al.: Calcitonin screening and pentagastrin testing: predictive value for the diagnosis of medullary carcinoma in nodular thyroid disease. Eur J Endoc 2010; 162: 1141–5. MEDLINE

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