ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2013Aussagefähigkeit der Prävalenzwerte
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Mit Blick auf die hausärztliche Versorgung von Patienten mit euthyreoter Struma und basierend auf unseren Rechercheerfahrungen bei der Bearbeitung der DEGAM-Leitlinie „Schilddrüsenerkrankungen in der Hausarztpraxis“ möchten wir auf folgendes hinweisen:

Erstaunt beobachten wir, wie seit einigen Jahren die Papillon-Studie in deutschen wissenschaftlichen Artikeln zur Angabe von Prävalenzwerten zu Struma und Schilddrüsen-Knoten für die deutsche Bevölkerung zitiert wird.

Völlig unreflektiert bleibt die Frage zur Aussagefähigkeit dieser Prävalenzwerte für die deutsche Bevölkerung. Betrachtet man zum Beispiel die Auswahl der Studienteilnehmer (freiwillige Teilnahme „Werktätiger“, die selbst angaben, noch keine SD-bezogenen Vorbefunde zu haben), ist von einem hohen Selektionsbias auszugehen. Diese Prävalenzwerte sind nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

Die meisten Strumen sind asymtomatisch. Müssen alle Personen mit asymptomatischen Veränderungen der SD (meist Zufallsbefunde) weiteren diagnostischen/therapeutischen Maßnahmen zugeführt werden? Oder reicht „wait and watch“ aus – umfassende Aufklärung der Patienten vorausgesetzt?

Erwähnt werden sollte, dass das Schilddrüsenkarzinom eine seltene Erkrankung ist. Geschätzte altersstandardisierte SD-Karzinominzidenzen betragen laut RKI 3,1/100 000 Männer und 6,3/100 000 Frauen (1). Die überwiegende Mehrheit der SD-Veränderungen ist benigner Genese (23).

Vor dem Hintergrund sehr geringer Inzidenzwerte stellt sich die Frage nach der Effektivität weiterführender diagnostischer Maßnahmen, insbesondere bei asymptomatischer euthyreoter Struma. Die Vorhersagekraft ist – bedingt durch sehr geringe Prävalenzwerte insbesondere im hausärztlichen Setting – zu gering.

Die DEGAM-Leitlinie zu Schilddrüsenerkrankungen wird basierend auf diesem Wissensstand Hausärzte zu einem verantwortungsvollen „wait and watch“ bei asymptomatischen Schilddrüsenveränderungen (immer abhängig von klinischer Symptomatik und Patientenwunsch und umfassende Aufklärung vorausgesetzt) aufrufen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0069b

Jeannine Schübel, Jeannine.Schuebel@uniklinikum-dresden.de
Dr. rer. medic. Karen Voigt,
Prof. Dr. med. Antje Bergmann

Interessenkonflikt

Die Autorinnen sind Mitglieder im Autorenteam der DEGAM-Leitlinie
„Schilddrüsenerkrankungen in der Hausarztpraxis“ (in Entstehung)

1.
Reiners C, Geling M, Luster M, Farahati J, Mäder U: Epidemiologie des Schilddrüsenkarzinoms. Onkologe 2005; 11: 11–9.
2.
Paschke R, Reiners C, Führer D, Schmid KW, Dralle H, Brabant G: Empfehlungen und offene Fragen in der Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenknoten – Stellungnahme der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Dtsch Med Wochenschr 2005; 130: 1831–6. MEDLINE
3.
Führer D, Bockisch A, Schmid KW: Euthyroid goiter with and without nodules—diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 506–16. VOLLTEXT
1.Reiners C, Geling M, Luster M, Farahati J, Mäder U: Epidemiologie des Schilddrüsenkarzinoms. Onkologe 2005; 11: 11–9.
2.Paschke R, Reiners C, Führer D, Schmid KW, Dralle H, Brabant G: Empfehlungen und offene Fragen in der Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenknoten – Stellungnahme der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Dtsch Med Wochenschr 2005; 130: 1831–6. MEDLINE
3.Führer D, Bockisch A, Schmid KW: Euthyroid goiter with and without nodules—diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 506–16. VOLLTEXT

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