ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2013Perkutane sonographisch gesteuerte Alkoholinstillation (PEIT) unerwähnt
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Drei Anmerkungen seien zur Initiierung prospektiver Studien erlaubt.

Szintigraphie: Die Guidelines der AACE/AME attestieren ihr lediglich Evidenzniveau IV C (1). Statt expansiv „Basisszintigraphie“ (Strahlenbelastung etwa 45 Röntgen-Thoraxaufnahmen) zu empfehlen (2), wäre der diagnostisch-therapeutische Erkenntnisgewinn zu hinterfragen (1, 3), damit sie nicht „unnötig wie ein Kropf“ ist. Tägliche Praxis lehrt, dass die Szintigraphie die Mehrzahl der sonographisch und operativ dargestellten Knoten/Karzinome und fokale Autonomien unter 1 –1,5 cm nicht visualisiert. Ohne verblindete Studien zur Aussagekraft der Szintigraphie sollte ihr großzügiger Einsatz nicht propagiert werden.

Calcitoninbestimmung: Inwieweit sie bei jeder Knotenstruma (2) oder gezielt bei sonomorphologisch suspekten Schilddrüsenknoten zur Erkennung des sporadischen medullären Schilddrüsenkarzinoms erfolgen sollte, wird in Ermangelung prospektiver Studien kontrovers gesehen (1, 3, 4). Generalisierte Bestimmungen bergen wegen labortechnischer Probleme, vieler falschpositiver/-negativer Befunde Risiken und verunsichern betroffene Patienten. Bestimmung in spezialisierten Schilddrüsen-Ambulanzen mit valider Laboranalytik sowie Expertise in der Befundeinschätzung scheint ein gangbarer Weg (4).

Zur definitiven Therapie fokaler Autonomien findet die perkutane sonographisch gesteuerte Alkoholinstillation (PEIT) keine Erwähnung (13). PEIT wurde weltweit bei mehreren Tausend Patienten erfolgreich durchgeführt und ist in interventionellen Zentren ein Routineverfahren. Vorteile sind: schneller Therapieeffekt auch nach Jodexposition, ambulante preisgünstige Durchführbarkeit, keine operativen Risiken, Narben oder Schilddrüsenunterfunktion; hohe Patientenakzeptanz. PEIT sollte bei uni-/bifokaler Autonomie als risikoarme Alternative zu Operation/Radiojodtherapie im interdisziplinär geführten Aufklärungsgespräch mit jedem Patienten erörtert und als potenziell nebenwirkungsbehaftetes Verfahren in Zentren mit hoher Expertise durchgeführt werden (3).

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0070b

Prof. Dr. med. Bernd Braun, Reutlingen, Prof.B.Braun@gmx.de

Interessenkonflikt

Prof. Braun erhält Honorare vom Thieme Verlag für einen Buchbeitrag „Interventioneller Ultraschall“.

1.
Gharib, H, Papini E, Valcavi R, et al.: American Association of Clinical Endocrinologists and Associazione Medici Endocrinologi. Medical guidelines for clinical practice for the diagnosis and management of thyroid nodules. Endocr Pract 2006; 12: 63–102.
2.
Führer D, Bockisch A, Schmid KW: Euthyroid goiter with and without nodules—diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 506–16. VOLLTEXT
3.
Braun B: Schilddrüse. In: Braun B, Günther R, Schwerk WB (eds.): Ultraschalldiagnostik – Lehrbuch und Atlas. ecomed MEDIZIN, Heidelberg, München, Landsberg, 2010; III–3.1: 1–238.
4.
Dietlein M, Wieler H, Schmidt M, Schwab R, Goretzki PE, Schicha H: Routine measurement of serum calcitonin in patients with nodular thyroid disorders? Nuklearmedizin 2008; 47: 65–72. MEDLINE
1.Gharib, H, Papini E, Valcavi R, et al.: American Association of Clinical Endocrinologists and Associazione Medici Endocrinologi. Medical guidelines for clinical practice for the diagnosis and management of thyroid nodules. Endocr Pract 2006; 12: 63–102.
2.Führer D, Bockisch A, Schmid KW: Euthyroid goiter with and without nodules—diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29–30): 506–16. VOLLTEXT
3. Braun B: Schilddrüse. In: Braun B, Günther R, Schwerk WB (eds.): Ultraschalldiagnostik – Lehrbuch und Atlas. ecomed MEDIZIN, Heidelberg, München, Landsberg, 2010; III–3.1: 1–238.
4. Dietlein M, Wieler H, Schmidt M, Schwab R, Goretzki PE, Schicha H: Routine measurement of serum calcitonin in patients with nodular thyroid disorders? Nuklearmedizin 2008; 47: 65–72. MEDLINE

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