ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2013Metastasiertes Prostatakarzinom: Abirateron verlängert progressionsfreies Überleben

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes Prostatakarzinom: Abirateron verlängert progressionsfreies Überleben

Dtsch Arztebl 2013; 110(5): A-181 / B-167 / C-167

Meyer, Rüdiger

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Abirateron ist der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe, die das Enzym Zytochrom P-450c17, ein Schlüsselenzym in der Synthese von Testosteron, hemmt. Das Hormon ist ein Wachstumsfaktor, und daher gehört die medikamentöse oder (früher häufigere) chirurgische Kastration zur Standardtherapie des metastasierten Prostatakarzinoms. Therapie der Wahl beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom war bisher eine Docetaxel-basierte Chemotherapie. Für den Fall des Versagens dieser Behandlung hat die Europäische Zulassungsbehörde EMA im Oktober 2011 Abirateron zugelassen. Es schaltet die mögliche Restsynthese von Testosteron nach Kastration aus.

Fragestellung der doppelblinden COU-AA-302-Studie war, ob Abirateron auch bei Patienten, die noch keine Chemotherapie erhalten haben, wirksam ist. 1 088 Patienten mit histologisch oder zytologisch gesichertem, kastrationsresistentem Prostata-Adenokarzinom (asymptomatisch oder milde Symptome) wurden 1 : 1 randomisiert: Abirateron (viermal 250 mg oral täglich) plus Prednison (5 mg zweimal am Tag) oder Placebo plus Prednison. Die von Janssen unterstützte Studie wurde nach einer geplanten Zwischenauswertung Ende 2011 abgebrochen, als 43 Prozent der erwarteten Todesfälle eingetreten waren.

Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 16,5 Monate im Abirateron-Arm und 8,3 Monate mit Prednison allein (Hazard Ratio [HR] der Kombinations- vs. Prednisonmonotherapie 0,53; 95-%Konfidenzintervall [KI] 0,45 bis 0,62; p < 0,001). Nach einer medianen Beobachtungszeit von 22,2 Monaten betrug das Gesamtüberleben (OS) im Prednison-Arm 27,2 Monate, für die Kombinationsbehandlung war es zum Zeitpunkt der Auswertung der Studie noch nicht erreicht. Nach Angaben der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA betrug das OS 30,1 Monate unter Placebo und 35,3 Monate unter Verum. Abirateron zögerte den Zeitpunkt bis zum Beginn der Chemotherapie hinaus und senkte den Opiatverbrauch bei schmerzhaften Knochenmetastasen.

Grad-III/IV-Nebenwirkungen waren in den Gruppen vergleichbar. kortikoidassoziierte Nebenwirkungen traten bei der Kombination häufiger auf als bei Monotherapie, darunter Flüssigkeitsretentionen/Ödeme (28 vs. 24 %) Hypokaliämien (17 vs. 13 %) und Hypertonie (22 vs. 13 %). Die Leberwerte waren unter Abirateron häufiger erhöht, die Abbruchraten mit 10 vs. 9 % nicht signifikant unterschiedlich.

Fazit: Bei metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom ohne oder mit leichten Symptomen ist die Kombination von Abirateron plus Prednison eine Option. Die Europäische Arzneimittelbehörde hat die Indikation für erwachsene Patienten, für die noch keine Chemotherapie indiziert ist, erweitert. Kontraindikation sind schwere Leberstörungen. Rüdiger Meyer

Ryan CJ, Smith MR, et al.: Abiraterone in metastatic prostate cancer without previous chemotherapy. NEJM 2013; 368: 138–48. MEDLINE

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