ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2013IGEL: Gestörtes Vertrauensverhältnis
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In der Tat sind altruistische Aspekte in der Berufswahl des Mediziners und der Wille, sich mit Empathie seinem Gegenüber zu widmen und sich für seine Patienten einzusetzen integrale Persönlichkeitsbestandteile im Schaffen von Ärztinnen und Ärzten. Es verärgert mich jedoch, wenn dieses Engagement die Basis bildet, einer ganzen Berufsgruppe abzuverlangen, dass sie ihre Leistungen im GKV-System zu „Schleuderpreisen“ anbieten muss . . . Die mageren Honorare in der Basisversorgung machen eine Querfinanzierung der Praxisliquidität durch PKV-Patienten und IGeL-Leistungen zwingend notwendig – ansonsten wären meines Erachtens ein großer Teil der Praxen am Rande der Insolvenz oder hätten erheblichen Investitionsstau.

IGeL-Angebote sollten natürlich mit dem Patienten besprochen und vertraglich vereinbart werden. Evidenz hin oder her – man wird sich auch in Zukunft über die Sinnhaftigkeit von IGeL-Angeboten lange streiten können. Meiner Meinung nach sollte jedoch der Bürger nicht ständig durch staatliche Reglementierung entmündigt werden. Zumindest in den zahlreichen Ballungsräumen unserer Republik hat jeder Patient ein Abstimmungsrecht mit den Füßen, falls er sich bei seiner Ärztin/seinem Arzt nicht mehr gut aufgehoben fühlt.

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Die ständigen Diskussionen um dieses Thema, oftmals aus Kreisen der GKV-Führungsspitzen angeregt, wobei diese durch unverhältnismäßige Budgetierung und Streichung von Leistungen an diesem Phänomen ursächlich selbst beteiligt sind, richten erheblichen Schaden im Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient an. Leider fallen die Diffamierungskampagnen auch oft auf fruchtbaren Boden, da diese das vermeintliche Gefälle „Klein gegen Groß – Patient gegen Arzt“ nähren – wobei die Ärzte in diesem Spiel durchaus die „Kleinen“ sind und mit dem Patienten in einem Boot sitzen, gegenüber einem übermächtigen GKV-Apparat.

Carsten Braun, 45879 Gelsenkirchen

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