ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2013Behandlungsfehler: Kultur der Verantwortung
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Es ist menschlich, dass auch Ärzte Fehler machen, und nicht per se moralisch verwerflich!

Organisationsstrukturen, Ausbildung und Kommunikationskultur sind die wesentlichen Fehlerquellen. Tatsächlich gibt es nach ärztlichen Behandlungsfehlern die „second victims“. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Ärzte, sondern erneut um die Patienten, die erkennen müssen, dass die beteiligten Ärzte alle Verantwortung abstreiten.

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Anstatt die geschädigten Patienten bei einer bestmöglichen Schadensregulierung aktiv zu unterstützen, gibt es zu viele Ärzte, die in Eitelkeit oder Selbstmitleid über ihre eigenen Behandlungsfehler versinken. Es gibt eine Hierarchie der Verantwortung, aber leider auch eine Hierarchie der Vertuschung. Eine vorbildliche Kultur der Verantwortung verlangt von einem Chefarzt nicht, dass er sich hinter seinen Assistenzarzt stellt, um eine Mauer des Abstreitens zu etablieren . . .

Für die geschädigten Patienten, aber auch für die beteiligten Ärzte, sind Verfahren, die sich über mehr als ein Jahr hinziehen, eine große Belastung. Absolut inakzeptabel ist die Tatsache, dass es auch zehn bis 20 Jahre dauern kann, ehe eine Regulierung beginnt . . .

Für den Erhalt einer vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung ist der professionell offene Umgang mit den geschädigten Patienten unabdingbar.

Nicht die moralisierende Schuldfrage, sondern die fachkompetente Verantwortung steht im Vordergrund. Selbst wenn juristisch die Klärung der Schuldfrage Voraussetzung für eine Regulierung ist, sollte angesichts des enormen Machtgefälles in der Arzt-Patienten-Beziehung die aktive Mitwirkung des Arztes bei der Klärung des Sachverhalts verlangt und gegebenenfalls auch sanktioniert werden.

Eine grundsätzliche Beweislastumkehr ist schon deshalb zu fordern, weil der Arzt im Gegensatz zum Patienten über Kompetenzen verfügt, die eine Beurteilung erst erlauben. . . . Wünschenswert wäre im Schadensfall eine lückenlose Kommunikation aller Beteiligten zu dokumentieren (vom Assistenzarzt über den Abteilungs-, Klinik- oder Praxisleiter bis zum betroffenen Patienten oder dessen Angehörigen), und zwar möglichst bevor der Geschädigte den „Unfallort“, die Klinik oder Praxis verlässt.

Der Arzt sollte darlegen können, dass er bemüht war, einen eingetretenen Schaden zu bemerken und dass er diesen dem Opfer zur Kenntnis gebracht hat oder dass er einen Schaden nicht als Behandlungsfehler erkennen konnte!

Drei Schritte entlasten sowohl den geschädigten Patienten als auch den verantwortlichen Arzt:

  • Fehlerdetektion
  • Ausdruck des aufrichtigen Bedauerns und
  • Übernahme der Verantwortung mit regulativer Schadensbegrenzung . . .

Literatur beim Verfasser

Dr. med. Wolfgang Sichert, 87471 Durach

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