ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2013Die Hohenzollern: Erbkrankheit durch Eheschließung
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Die von Friedrich dem Großen selbst so beklagte „Podraga“ hat dem damaligen begrenzten Kenntnisstand entsprechend eine im Hause Hohenzollern wohl wiederkehrende Symptomkonstellation bezeichnet, deren pathogenetische Grundlagen nach heutigem Wissen über das Krankheitsbild der Gicht hinausgegangen sind.

Es war wohl nicht nur die Gicht, die mehreren Generationen der Hohenzollern auch infolge des überlieferten Hanges zu exzessiven Tafelfreuden zugesetzt hat. Neuere Erkenntnisse lassen vielmehr als wahrscheinlich erscheinen, dass durch die Eheschließung des ersten Preußenkönigs Friedrich I. mit der aus dem kurfürstlichen Hause Hannover und damit aus dem englischen Königshaus gebürtigen Sophie Charlotte eine Erbkrankheit auf die Hohenzollern gekommen war, die als Porphyria variegata klassifiziert bereits den schottischen König Jakob VI. betroffen hatte und mit ihm seine Mutter Maria Stuart. Schnelle Reizbarkeit, depressive psychische Auffälligkeiten, als Schlaganfall gedeutete neurologische Ausfälle, Anfälle von Herzrasen und Atemnot, Fieberschübe, Hautabszesse, Abdominalkoliken und chronische Obstipation waren Symptome, die nicht nur von Georg III. von England bekanntgeworden sind, sondern auch Friedrich den Großen, seinen Vater, den Soldatenkönig, und seinen jüngsten Bruder, Prinz Ferdinand von Preußen, betroffen haben. Aus den Krankengeschichten der beiden letzteren wird auch eine pathognomische periodische Rotfärbung des Urins berichtet. Historische Folgen dieser Erkrankung sind aus dem politischen Denken und Handeln beider Monarchen wohl eher nicht zu erkennen, persönlichkeitsprägende Züge Friedrich II., die sich in der Konfrontation mit einem psychopathologisch reizbar-aggressiven und brutalen Vater entwickelt haben, vielleicht schon . . .

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Dr. med. Jürgen Bock, 16278 Angermünde

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