ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2013World Doctors Orchestra: Violine statt Skalpell

KULTUR

World Doctors Orchestra: Violine statt Skalpell

Dtsch Arztebl 2013; 110(6): A-233 / B-219 / C-219

Spielberg, Petra

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Dass Ärzte äußerst musikalisch sein können, stellt das World Doctors Orchestra gleich mehrfach im Jahr unter Beweis. Mit seinen Benefizkonzerten trägt das Laienorchester zugleich zu einer besseren medizinischen Versorgung bei.

Foto: 2PAX
Foto: 2PAX

Berlin, Cleveland, Peking, Wien, Washington. Die Liste der Städte, in denen das World Doctors Orchestra (WDO) bereits Station gemacht hat, ist lang. Ebenso namhaft wie die Orte, in denen das WDO seine Konzerte gibt, sind die Solisten, die mit den Orchestermitgliedern auftreten, darunter der Violinist Sergey Khachatryan, der Klarinettist der Wiener Philharmoniker Wenzel Fuchs oder der Altist Jochen Kowalski.

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Bei den Mitgliedern des WDO handelt es sich ausnahmslos um ausgebildete Ärztinnen und Ärzte. Selbst der Dirigent ist „von Haus aus“ Internist. Prof. Dr. med. Stefan Willich hat sich zudem als Direktor des Instituts für Sozialmedizin der Berliner Charité einen Namen in der Ärzteschaft gemacht. Von ihm stammt auch die Idee zur Gründung des WDO. Bereits mit sechs Jahren begann Willich, Violine zu spielen. Nach dem Abitur zog es ihn an die Musikhochschule Stuttgart, bevor er schließlich doch in das Fach Medizin wechselte.

„Lange Zeit habe ich dann eine Art Doppelleben als Arzt und Musiker geführt“, berichtet Willich. Schließlich entdeckte er, dass sich auch andere Mediziner in ihrer Freizeit als leidenschaftliche Laienmusiker betätigen. Das gab im Jahr 2007 den Anstoß, ein Ärzteorchester zu gründen. Für Willich stand dabei von Anfang an fest, dass dem Ensemble Ärztinnen und Ärzte aus aller Welt angehören sollten. Die Mitglieder des Orchesters verzichten auf eine Gage und bezahlen die Kosten für die Reisen und Unterkünfte selbst. Die Erlöse der Konzerte kommen medizinischen Hilfsprojekten zugute. „Inzwischen umfasst das WDO mehr als 700 Musiker aus 50 Nationen“, sagt der Internist. Zwei- bis dreimal pro Jahr kommen etwa 100 von ihnen zu Auftritten in internationalen Konzertsälen zusammen. Die Noten für die jeweiligen Stücke erhalten die Laienmusiker schon Monate vor den Konzertterminen. „Die gemeinsamen Proben finden allerdings immer erst wenige Tage vor dem Auftritt statt“, erklärt Willich.

Über die Internetseite des WDO können sich die Mitglieder für eine Teilnahme an den Konzerten bewerben. Willich trifft daraufhin die Auswahl, wobei er darauf bedacht ist, jeweils Ärzte aus vielen unterschiedlichen Ländern dabeizuhaben. „In der Regel gelingt es mir auch, immer wieder neuen Musikern eine Chance zu geben“, sagt Willich. Bei den Streichern sei dies ohnehin kein Problem, da davon immer eine große Anzahl erforderlich sei. „Ein wenig eng kann es dagegen schon mal werden, wenn sich für ein Konzert zehn bis 20 Flötisten bewerben, aber nur zwei oder drei benötigt werden.“

Inzwischen hat sich zudem ein „harter Kern“ von circa 50 Musikern herausgebildet, die fast bei jedem Konzert dabei sind. Aus den regelmäßigen Treffen haben sich zum Teil auch internationale Freundschaften und Ideen für neue medizinische Projekte entwickelt. So hat sich unter den Orchestermitgliedern beispielsweise ein Netzwerk herausgebildet, dass Profimusiker medizinisch berät.

Petra Spielberg

Informationen

Konzerte 2013: 7. Juni, 20 Uhr: Konzert mit den Wiener Sängerknaben im Wiener Stephansdom. Franz-Schubert Messe in Es-Dur, Sinfonie Nr. 7 h-Moll, D 759, „Die Unvollendete“; 17. September, 20 Uhr: Konzert in der Beethoven-Halle Bonn und 18. September, 20 Uhr: Konzert in der Philharmonie Berlin. Ludwig van Beethovens „Coriolan Ouvertüre“, Richard Strauss’ „Tod und Verklärung“, Arien aus dem Barock, Jazz-Transkriptionen. Solisten: Jochen Kowalski (Alt), Donna Brown (Sopran).

Das World Doctors Orchestra ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der unabhängig von politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Einflüssen tätig ist. Die Probenarbeit und die Konzertveranstaltungen werden finanziell durch Sponsoren unterstützt. world-doctors-orchestra@charite.de, www.world-doctors-orchestra.org

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